Freitag, 14. Dezember 2018

Kleines Plus Gazprom-Überweisung rettet RWE-Bilanz

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE: Energiewende drückt weiter auf das Kraftwerksgeschäft

Lange hatten sich Russlands Gasriese Gazprom und RWE über die Preise für Gaslieferungen aus Russland gestritten, dann bekam RWE Recht - und Geld. Das rettet jetzt die RWE-Bilanz ins Plus verglichen mit dem Vorjahr. Operativ aber lief es schlechter. Jetzt reagiert RWE.

Essen - Ein Sondereffekt hat dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern RWE im ersten Halbjahr die Bilanz halbwegs gerettet. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro, wie der Versorger am Mittwoch mitteilte.

Dabei profitierte das Unternehmen vor allem von der Beilegung des Streits über die Preise des russischen Gasriesen Gazprom. Dadurch verbuchte RWE einen einmaligen Sondergewinn nach früheren Angaben aus Unternehmenskreisen von rund einer Milliarde Euro.

Unter dem Strich gab es allerdings einen heftigen Gewinneinbruch. Der Überschuss sackte um 38 Prozent auf 979 Millionen Euro. Dabei belasteten Abschreibungen auf die niederländischen Kraftwerke von rund 800 Millionen Euro. Das Kerngeschäft der Energieerzeugung leidet besonders unter der Energiewende. Dort brach der Gewinn um zwei Drittel ein. Jetzt steuert RWE Börsen-Chart zeigen erneut gegen.

Das Unternehmen wird in Deutschland und den Niederlanden Kraftwerke mit einer Leistung von 3100 Megawatt aus dem Markt. "Weitere Kraftwerke sind auf dem Prüfstand; hier werden sämtliche Optionen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ausgelotet", erklärte der Versorger - und untermauerte damit einen Bericht des manager magazins.

RWE-Aktienkurs steigt vorbörslich leicht

Im Interview hatte RWE-Chef Peter Terium vor "erheblichen Stilllegungen" von Kraftwerken in den nächsten Jahren gewarnt. Aufgrund des drastischen Strompreisverfalls lägen "30 bis 40 Prozent" der RWE-Anlagen mittelfristig "im roten Bereich". Vor allem die Gaskraftwerke stehen unter Druck.

Erst gestern hatte der Düsseldorfer RWE-Konkurrent Eon Börsen-Chart zeigen ebenfalls Kraftwerksschließungen angekündigt. Die Flut subventionierter Ökostrommengen überspült den Strommarkt und drückt dort auf die Preise auch der nicht-subventionierten herkömmlichen Kraftwerke. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte deshalb gestern angekündigt, in Europa womöglich bis 2015 Kraftwerke mit einer Leistung von 11.000 Megawatt stillzulegen. Das erst zweieinhalb Jahre alte Gaskraftwerk Malzenice in der Slowakei hat Eon bereits eingemottet. "Sofern sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den europäischen Kernmärkten nicht spürbar ändern, werden weitere Stilllegungen unausweichlich sein", erklärte Teyssen gestern.

Der für die RWE-Dividendenberechnung wichtige bereinigte sogenannte nachhaltige Nettogewinn stieg dank des Gazprom-Geldes um knapp 20 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. An der Prognose hielt RWE fest.

Anleger stießen Aktien von RWE nach Veröffentlichung der Zahlen ab. Die Titel des Versorgers gaben am Vormittag um rund 3 Prozent auf 21,70 Euro nach und waren damit größter Verlierer im Dax. Im Vorfeld der Zahlen hatten Anleger am Dienstag Vorschusslorbeeren verteilt und die Aktien um 4,5 Prozent nach oben getrieben.

kst/dpa-afx/rtr

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