Freitag, 29. Juli 2016

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Aus für Kohle, Öl und Gas G7-Staatslenker verkünden Ende der Industrialisierung, wie wir sie kennen

Passende Kulisse für den Klima-Durchbruch: In Elmau beschlossen die G7-Staatslenker den langsamen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas als Rückgrat der Industriegesellschaften

Es ist ein Paukenschlag, was die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen in Elmau beschlossen haben, besonders für die Energieindustrie: Die G7-Länder wollen vor dem Jahr 2100 den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid auf Null reduzieren.

"Wir wissen, dass wir im Lauf des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagzum Abschluss des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in Oberbayern. Hinter dem sperrigen Wort verbirgt sich nicht weniger als das Ende des Zeitalters der Industrialisierung, wie die Welt sie seit dem 18. Jahrhundert kennt. "Dekarbonisierung" bedeutet praktisch einen Abschied von den "schmutzigen" kohlestoffhaltigen Energieträgern, wie beispielsweise der Kohle.

Die Nutzung dieser Rohstoffe hat zusammen mit der Erfindung der Dampfmaschine die Industrialisierung ermöglicht. Zugleich treibt ihre Verbrennung aber den Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre in die Höhe. Dadurch erwärmt sich die Erde laut wissenschaftlichem Konsens auf gefährliche Weise.

Merkel will den Großteil der Emissionen schon bis 2050 eliminieren

Es müsse "tiefe Einschnitte" bei den Emissionen geben, hieß es im am Montag veröffentlichten Abschlussdokument des Treffens. Erwähnt wurde in der Abschlusserklärung, dass sich die Reduzierung von Treibhausgasen bis 2050 im Rahmen von 40 bis 70 Prozent verglichen mit 2010 "am oberen Rand" bewegen müsse. "40 Prozent sind eindeutig zu wenig", sagte Merkel.

Alle G7-Länder werden zur UN-Klimaschutzkonferenz im Dezember in Paris Verpflichtungen für eigene Klimabeiträge abgeben. Ein Fonds für Klimaschutz in Entwicklungsländern, der von 2020 aus jährlich mit 100 Milliarden US-Dollar aus öffentlichen und privaten Mitteln gefüllt werden soll, sei auf dem Gipfel ebenfalls beschlossen worden.

Mit den Maßnahmen wollen die G7 wollen die Erderwärmung und ihre Folgeschäden begrenzen. "Es gab ein klares Bekenntnis zum Zwei-Grad-Ziel", sagte Merkel. Seit dem Klimagipfel von Kopenhagen vor fünfeinhalb Jahren gilt eine Erwärmung um zwei Grad offiziell als gerade noch hinnehmbar, damit die Folgen des Klimawandels nicht katastrophale Ausmaße annehmen.

Greenpeace lobt G7: "Elmau hat geliefert"

Die Bekenntnisse der G7 zum Klimaschutz waren mit Spannung erwartet worden. Sie gelten als wichtiger Zwischenschritt vor der Pariser Klimakonferenz, wo ein globales Abkommen beschlossen werden soll. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen steht für rund ein Viertel des globalen Treibhausgasausstoßes. Nach Angaben von Merkel sind die Klimavereinbarungen von Schloss Elmau "Ergebnis harter Verhandlungen".

Die Staatslenker erhielten prompt Lob von ungewohnter Seite. "Elmau hat geliefert", sagte Greenpeace-Energieexperte Tobias Münchmeyer. Die Vision einer globalen Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren habe deutlich Konturen gewonnen. "Mit ihren Beschlüssen stimmen die G7 endgültig den Abgesang auf die Kohle an." Es müsse nun aber die "Hintertür für gefährliche Scheinlösungen" wie Atomenergie verriegelt werden.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam kommentierte, die G7-Staaten hätten beim Klimaschutz einen "Schritt vorwärts gemacht" und ein Ende des fossilen Energiezeitalters in Aussicht gestellt. "Dies steht jedoch in scharfem Kontrast zu dem, was die einzelnen Mitgliedsstaaten für die Pariser Klimakonferenz bislang an nationalen Zielen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen auf den Tisch gelegt haben."

Mit einer riesigen Laserprojektion auf das Zugspitzmassiv hatten Umweltschützer die G7-Staaten zu einer globalen Klimawende aufgefordert. Ein leistungsstarker Projekter warf am Morgen die Forderung "G7: 100 % Erneuerbare Energien!" aus knapp 2,5 Kilometern Entfernung auf die Felswand des Waxensteins.

Wenige Stunden später bekannten sich die Staats- und Regierungschefs faktisch zu genau diesem Ziel.

nis/dpa-afx/rtr/afp

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