Donnerstag, 8. Dezember 2016

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96 Prozent weniger Reserven Kaliforniens Traum von der Fracking-Ölbonanza ist geplatzt

Ölförderung in der Monterey-Formation (Kalifornien): Optimistische Annahmen nicht bestätigt

Herber Rückschlag für den US-Ölboom: Die Regierung schätzt das kalifornische Ölgebiet Monterey als 96 Prozent weniger ergiebig ein als zuvor. Damit fallen zwei Drittel der US-Schieferöl-Reserven weg. Die Industrie reagiert zerknirscht - ihr entgeht eine Billionensumme.

Hamburg - Der Traum war zu schön, um wahr zu sein. Satte 13,7 Milliarden Fass Öl seien aus der Monterey-Formation förderbar, hieß es noch im vergangenen Jahr. Die US-Medien überschlugen sich vor Euphorie. Das Öl hätte nach heutigen Preisen einen Wert von etwa 1,4 Billionen Dollar.

Allein an Steuereinnahmen hätte der Schatz jährlich knapp 25 Milliarden Dollar in die Kassen des knappen Bundesstaates Kalifornien gespült, rechnet die "Los Angeles Times" vor. Die Ölindustrie hatten zudem mit 2,8 Millionen neuen Arbeitsplätzen gerechnet. Umweltschützer hingegen grauste es vor den Folgen für Grundwasser, Landschaft und Klima.

Doch nun der Schock für die Öl-Optimisten: Um satte 96 Prozent hat die US-Energiebehörde EIA ihre Schätzung für die Vorkommen gekürzt. In ihrer vorherigen Annahme aus dem Jahr 2011 sei die Behörde davon ausgegangen dass die Ölbestände einfacher zu Tage zu fördern seien als es nun der Fall ist.

Fracking stößt an Grenzen

Selbst mit der umstrittenen Methode Fracking sei es nicht möglich, große Mengen Öl aus dem Schiefer zutage zu fördern. Dabei werden Wasser, Chemikalien und Sand in den Boden eingebracht, woraufhin sich die Gesteinszwischenräume öffnen und Gas sowie Öl entweichen können.

Die Gesteinsschichten in Kalifornien verlaufen allerdings nicht eben wie in anderen Gebieten Amerikas, sondern sind durch Erdbeben durcheinandergewirbelt. Zuletzt hatten Förderunternehmen sogar versucht, gleich das gesamte Gestein mit Säure zu verflüssigen, um an Öl zu gelangen - vergeblich.

Die Ölindustrie reagierte zerknirscht. "Das Öl ist da, aber es ist ein hartes Geschäft", sagte ein Vertreter des Verbandes California Independent Petroleum. Auch andere Branchenvertreter gestanden ein, dass mit der derzeitigen Technik aus der Billionen-Bonanza nichts werde.

Die Fördermethoden entwickelten sich aber weiter. "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Geologen und Ingenieure Wege finden werden mit den Bedingungen umzugehen", sagte ein Sprecher des Verbandes Western States Petroleum.

"Schlag für die Öl-Zukunft des gesamten Landes"

Einen "Schlag für die Öl-Zukunft des gesamten Landes" nannte die "Times" die Nachricht aus Washington. Tatsächlich bedeutet die neue Prognose für Monterey, dass auf einen Schlag zwei Drittel der gesamten US-Schieferöl-Reserven wegfallen.

In den vergangenen Jahren hatte die US-Ölindustrie dank Schieferöl ein beispielloses Comeback erlebt. Vor allem in North Dakota und Texas erwiesen sich die Gesteinsformationen Bakken und Eagle Ford als äußerst ergiebig. Dank ihnen stieg die jährliche Ölproduktion in den USA von 1,8 (2008) auf 2,7 Milliarden Fass (2013).

Der US-Boom bei Öl und Gas galt Experten zufolge zuletzt noch als geeignet, das Land mittelfristig und auf lange Dauer unabhängig von Importen zu machen. Vor allem Produzenten aus den Reihen des Ölkartells Opec wie Nigeria bekommen die sinkende US-Nachfrage schon jetzt zu spüren - sie müssen den Rohstoff verstärkt nach Asien ausführen.

Lesen Sie auch: Wie Exxon-Chef Rex Tillerson sich gegen Fracking nahe seinem Wohnhaus wehrt

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