Samstag, 30. Juli 2016

Exxon sieht sich als Opfer der Milliardärsfamlie "Rockefeller finanziert Verschwörung gegen uns"

David Rockefeller steigt bei Exxon aus: "Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das dem öffentlichen Interesse anscheinend Verachtung entgegenbringt"

Die Rockefeller-Familie trennt sich von Firmenanteilen, die ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen machen - und damit auch vom Ölriesen Exxon. Die Begründung dazu ist deutlich. Die Reaktion des Konzerns auch.

Es hatte sich abgezeichnet, jetzt macht die Familie ernst: Der Rockefeller Family Fund wird seine Anteile an dem Ölkonzern Exxon abstoßen. "Wir können nicht mit einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, das dem öffentlichen Interesse anscheinend Verachtung entgegenbringt", hieß es in einem Statement der Wohltätigkeitsorganisation. Auch von Beteiligungen im Bereich Kohle und kanadischem Ölsand werde man sich so schnell wie möglich trennen

Der Fonds folgt damit dem größeren Rockefeller Brothers Fund, der zuletzt mehr als 790 Millionen Dollar (706 Millionen Euro) verfügte. Die ebenfalls als gemeinnützige Stiftung aufgestellte Organisation hatte bereits im September 2014 angekündigt, sich schrittweise von Anlagen in fossile Energien zu trennen.

Die Entscheidungen der 1940 und 1967 von Familienmitgliedern gegründeten Fonds sind vor allem wegen der Geschichte des Clans bemerkenswert. Das Ölgeschäft hatte die Rockefellers im 19. Jahrhundert zu einer der reichsten Familien der Welt gemacht. Die beiden Fonds sind nicht mit der 1913 von John D. Rockefeller selbst ins Leben gerufenen Rockefeller-Stiftung zu verwechseln.

"Es macht keinen Sinn, weiter in diese Unternehmen zu investieren"

Grund für den Schritt sei die existenzielle Bedrohung, der sich die Menschheit und das natürliche Ökosystem durch den Klimawandel ausgesetzt sähen. "Es macht keinen Sinn - weder finanziell noch ethisch - weiter in diese Unternehmen zu investieren, während die globale Gemeinschaft die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreibt."

Ein Exxon-Sprecher zeigte sich wenig erstaunt über den angekündigten Rückzug: "Es ist nicht überraschend, dass sie sich vom Unternehmen zurückziehen, da sie bereits eine Verschwörung gegen uns finanzieren", erklärte der Sprecher auf Nachfrage. Der Rockefeller Family Fund stelle Mittel für "gezielt irreführende" Berichte über Exxons Forschung zum Klimawandel bereit.

Exxon-Sprecher sieht eine Verschwörung durch Rockefeller-Familie

Im November hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft gegen Exxon Ermittlungen eingeleitet. Dabei ging es um die Frage, ob der Konzern die Öffentlichkeit und Aktionäre über die Risiken des Klimawandels getäuscht hat. Exxon erklärte damals, auf Geschäftsrisiken über Jahre hinweg unter anderem in Quartalsberichten hingewiesen zu haben.

Die Höhe des Exxon-Anteils oder der Beteiligungen im Bereich fossile Brennstoffe führte der Family Fund nicht aus. Exxon-Aktien tendierten wie der Markt insgesamt etwas schwächer. Ölkonzerne sind seit Monaten wegen des Ölpreisverfalls unter Druck.

Das Statement schließt mit einem Aufruf: "Es ist überfällig, dass alle Menschen ihre Kräfte bündeln und diesen neuen Weg bestreiten, der den Zusammenhang zwischen der Zukunft der Menschheit und der Gesundheit unseres Ökosystems anerkennt."

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