Donnerstag, 15. November 2018

Dubiose Auftragsgutachten Exxon bezahlte prominenten Klimawandel-Leugner

PR-Gau: Ölgigant Exxon hat sich zuletzt von Klimawandel-Leugnern distanziert

Energiekonzerne haben einem Harvard-Wissenschaftler mehr als eine Million Dollar für verharmlosende Studien zum Klimawandel gezahlt. Das Ausmaß seines Interessenskonflikts verschwieg der Mann - jetzt flog der Schwindel auf.

Hamburg - Für die US-Energieindustrie und ihr ergebene Politiker war Wei-Hock Soon eine Art Ikone. Studie um Studie legte der Wissenschaftler am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics vor, um zu belegen, dass der vom Mensch verursachte Kohlendioxid-Ausstoß unerheblich für die Erderwärmung sei. Vielmehr stecke die Sonnenaktivität hinter. Auch vor dem US-Kongress vertrat der Amerikaner seine dubiosen Forschungsergebnisse.

Doch jetzt wird immer deutlicher: Der Mann agierte im Auftrag großer Energiekonzerne wie Esso-Mutter Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen. In den vergangenen zehn Jahren hat Soon mehr als 1,2 Millionen Dollar von der Brennstoffindiustrie kassiert, wie jetzt die New York Times berichtet. Das ist mehr als bisher schon bekannt war.

Gleichzeitig hat der promovierte Raumfahrtingenieur bei mindestens elf Aufsätzen den Interessenkonflikt nicht offengelegt. Intern bezeichnete Soon seine Aufsätze und öffentlichen Auftritte als gegen Geld "lieferbare Ergebnisse". Dagegen hatte Soon in der Vergangenheit nach außen betont, sich nicht von Geldgebern bei seiner Arbeit beeinflussen zu lassen.

Zu seinen weiteren Geldgebern zählten der Interessenverband der US-Ölindustrie, die Stiftung des radikalen Industriellen Charles Koch sowie ein Stromversorger, der stark auf Kohle setzt. Sie alle fürchten starke Umsatzeinbußen, weil die Menschheit laut der überwältigenden wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung ihren Verbrauch von Öl, Kohle und Gas schnell und drastisch drosseln muss, um das Klima vor dem Kollaps zu schützen.

Deshalb haben zahlreiche Akteure wie die Koch-Brüder in den USA einen Propagandaapparat mit pseudo-wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem "Heartland Institute" aufgebaut, der Zweifel am Konsens der Klimaforscher streuen soll. Der fachfremde Soon, dem viele Klimaexperten schlampige und sinnlose Arbeit vorwerfen, war offenbar ein Rädchen in diesem Desinformations-System.

Insbesondere die internationalen Ölkonzerne haben sich zuletzt von dieser PR-Maschinerie öffentlich etwas entfernt. So hat Exxon die Zahlungen an Soon 2010 beendet, als sie erstmals bekannt wurden. Die Chefs von BP und Shell Börsen-Chart zeigen haben zuletzt mehr Engagement gegen den Klimawandel gefordert und für eine Steuer auf Kohlendioxid plädiert. Zudem attackieren Vertreter der Öl- und Gasindustrie seit einer Weile verstärkt die Kohlebranche, die noch CO2-intensiver ist.

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