Samstag, 10. Dezember 2016

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mm-Grafik Wohin mit den Ökostrom-Milliarden?

Auf dem so genannten EEG-Konto häuft sich ein gewaltiger Überschuss an - von derzeit 3,5 Milliarden Euro. Der Grund: Die Verbraucher zahlen offenbar eine zu hohe Ökostrom-Umlage. Doch die Netzbetreiber wollen ihnen das Geld nicht zurückgeben - und legen es stattdessen auf die hohe Kante.


Hamburg - Lange Zeit ähnelte das Erneuerbare-Energien-Gesetz einem schwarzen Loch: Egal wie hoch der Ökostrom-Zuschlag war, nie kam genügend Geld zusammen, um die Ansprüche von Windmüllern und Solaranlagen-Betreibern zu befriedigen.

Seit gut einem Jahr allerdings weist das so genannte EEG-Konto einen Überschuss aus, wie die Grafik von Statistazeigt. Inzwischen beträgt der Saldo 3,5 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Noch im August 2013 wies das Konto ein Minus von knapp 2,5 Milliarden Euro aus.

Durch die sehr hoch bemessene EEG-Umlage (6,17 Cent pro Kilowattstunde) sammeln die Netzbetreiber inzwischen Monat für Monat mehr Geld bei den Stromkunden ein als sie an die Ökostrom-Erzeuger auszahlen. Obwohl sich dieser Trend seit Längerem abzeichnet, hatten die Unternehmen die Umlage zum Jahreswechsel nur minimal gesenkt - die Stromkunden bekommen ihr Geld also vorerst nicht zurück.

Viele Risiken erschweren EEG-Planung

Offenbar wollen die Netzbetreiber auf diese Weise eine Art Sicherheitsreserve für die Zukunft aufbauen und nicht den Fehler von 2011 wiederholen. Damals setzten sie die Umlage auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit 3,6 Cent pro Kilowattstunde sehr niedrig an - prompt rutschte das Konto ins Minus, weshalb die Unternehmen die Umlage 2012 deutlich anheben mussten.

Tatsächlich gibt es einige Kostenrisiken für den weiteren Ökostrom-Ausbau: Derzeit gehen zahlreiche Offshore-Windparks ans Netz, deren Strom vergleichsweise teuer vergütet wird. Gibt es nun auch noch besonders windstarke Jahre, wirkt sich das unmittelbar auf die Kosten aus.

Nicht völlig geklärt ist auch, wie viel die neuen Rabatte für energieintensive Unternehmen kosten. Zudem versorgen sich vor allem Privathaushalte zunehmend selbst mit Strom - und zahlen darauf zum großen Teil keine EEG-Umlage. Dieser Trend könnte das EEG-Konto ebenfalls in Schieflage bringen.

Netzbetreiber legen das Geld mit kurzen Anlagezeiträumen an

Und was passiert eigentlich mit all den Milliarden auf dem EEG-Konto? Große Erträge scheint das Geld nicht zu erwirtschaften, wie die Antwort des Netzbetreibers Tennet auf die Anfrage von manager magazin online nahelegt:

"Für die EEG-Umlage gibt es separate EEG-Konten. Zeitweilige Guthaben werden unter Berücksichtigung des saisonalen Verlaufs und der hohen Volatilität des EEG Cash Flows kurzfristig (das bedeutet mit kurzen Anlagezeiträumen) am Geldmarkt im Euroraum angelegt (zum Beispiel Kontokorrentguthaben, Tages- und Termingelder). Zinserträge werden dem EEG-Konto gutgeschrieben. Ist das EEG-Konto im Minus, wird das Konto mit den Soll-Zinsen belastet. Die Verzinsung (sowohl Haben- als auch Sollzinsen) führt aufgrund der Erfassung auf dem EEG-Konto zu keinem Netto-Ertrag für die Übertragungsnetzbetreiber."


nis

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