Dienstag, 17. Juli 2018

Versäumnisse bei Milliardendeal Eon-Chef Teyssen entschuldigt sich indirekt bei Uniper-Chef Schäfer

"ich hätte ihn früher ins Vertrauen ziehen sollen": Eon-Chef Johannes Teyssen (rechts) entschuldigt sich indirekt bei Klaus Schäfer (l.)

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, hat Fehler bei seinen beiden jüngsten Milliardendeals eingeräumt: Der Übernahme von Innogy und dem Verkauf des Aktienpakets an Uniper an den finnischen Konkurrenten Fortum.

Vor allem im Umgang mit Uniper-Chef Klaus Schäfer zeigte sich Teyssen selbstkritisch: "Ich glaube, ich hätte ihn früher ins Vertrauen ziehen sollen, als wir den Verkauf an Fortum vorbereiteten", sagte der Energiemanager im Interview mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 22. Juni). Das Uniper-Management habe nach dem Börsengang einen neuen Aufbruch geschaffen, "mit klugen strategischen Maßnahmen". Dann entstünde ein solches Maß an Identität, "dass die auch mal überschießen kann": "Das hätte ich vielleicht besser einschätzen sollen und versuchen müssen es aufzufangen."

Zum Innogy-Deal sagte Teyssen, der sei zunächst "ein bisschen strubbelig gelaufen". Eon hat mit RWE vereinbart, Innogy zunächst zu übernehmen und anschließend zu zerschlagen: RWE bekommt dann die Ökostromerzeugung, Eon die Netze und den Vertrieb. Die Transaktion soll Ende 2019 abgeschlossen sein.

Innogy habe es in der "momentanen Phase der Unsicherheit" schwer, neue Mitarbeiter anzuwerben, so Teyssen im mm-Gespräch. Wenn eine Integration gelingen soll, sei bei vielen Themen "Augenhöhe geboten". So hätte Innogy die Elektromobilität "viel früher und entschiedener" entwickelt als Eon. Da könne Augenhöhe bedeuten, "dass wir zu Innogy aufschauen": "Das muss man dann als Eon-Manager aushalten."

Er habe, so Teyssen, den freigewordenen wichtigen Posten des deutschen Netzchefs bewusst freigehalten für einen Innogy-Manager ("Das kann man so deuten"). Es werde "noch eine Reihe von Führungspositionen" geben, bei denen er so verfahren wolle.

Die Innogy-Vorstellung, ein sogenannter "unabhängiger Dritter" solle die Einhaltung von Eon-Zusagen kontrollieren, wies Teyssen indes brüsk zurück: "Nein, das darf und wird es nicht geben. Wir werden weder unsere Strategie noch unser Handeln einem Externen anvertrauen." Insgesamt gelte: "Es ist und bleibt eine Akquisition und kein Merger."

Mehr Wirtschaft aus erster Hand? Der obige Text ist nur ein minimaler Ausschnitt aus der Juli-Ausgabe des manager magazins. Das neue Heft (und die nächste Ausgabe) können Sie hier im Vorteilsangebot bestellen.
Oder stöbern Sie hier in der digitalen Ausgabe des manager magazins.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH