Sonntag, 26. Juni 2016

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Scharfe Kritik an Energiepolitik Eon-Chefkontrolleur Werner Wenning rechnet ab: Energiewende "Murks", "Staat stiehlt sich davon"

Fällt ein vernichtendes Urteil über die Energiewende: Eon-Aufsichtsratschef Werner Wenning

Er ist Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat. Der ehemalige Bayer-Chef, Multiaufsichtsrat und Eon-Chefkontrolleur Werner Wenning kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung als existenzbedrohenden "Murks".

Eon-Aufsichtsratschef Werner Wenning hat die Energiepolitik der Bundesregierung scharf kritisiert und als "Murks" bezeichnet. Für den Ausstieg aus der Atomenergie will er die Politik in die Pflicht nehmen. "Der Staat stiehlt sich davon, dabei war die Kernenergie von Anbeginn an auch ein politisches Projekt", sagt Wenning der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in einem am Samstag veröffentlichten Interview.

"Mir fällt kein Industriezweig ein, mit dem die Politik so umgesprungen ist", zeigt sich der Manager verärgert. Die Politik sei "sprunghaft" und für die Energiekonzerne "existenzbedrohend".

Sein Urteil über die Energiewende fällt vernichtend aus. Mit der Energiewende weg von Atomkraft hin zu Erneuerbaren Energien ist aus seiner Sicht bisher keines der drei Ziele Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz erreicht worden.

Der drastische Verfall des Börsenwertes der deutschen Energiekonzerne habe laut Wenning seine Ursache auch darin, dass die Investoren sich fragten: "Welche Grausamkeit kommt morgen?" Daher fordert der Multiaufsichtsrat (Bayer, Eon, Henkel, Siemens) die Politik auf, das ungelöste Thema der Endlagerung von Atommüll endlich anzugehen. "Gorleben hatte vor vier Jahrzehnten seinen Start, ohne dass bis zum heutigen Tag ein Endlager genehmigt ist", sagte er der Zeitung.

Wenning: Politik für Kursverfall der Energiekonzerne mit verantwortlich

Der Düsseldorfer Energieriese wird sich 2016 aufspalten: Der Hauptkonzern Eon soll sich neben der abzuwickelnden Atomsparte auf die Zukunftsgeschäfte mit Alternativ-Energien konzentrieren, die immer weniger rentablen alten Kohle- und Gaskraftwerke kommen in die neue Gesellschaft Uniper.

Ein geplantes Gesetz soll verhindern, dass sich die Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall durch Abspaltung ihrer Kernkrafttöchter vor der milliardenschweren Haftung beim Abriss der Meiler und der Endlagerung des Atommülls drücken können. Eine Verabschiedung des Gesetzes noch vor 2016 - wie von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mehrfach angemahnt - scheiterte jedoch.

Neben einer für sie erträglichen Lösung bei der Finanzierung des Atomausstiegs hoffen die Energiekonzerne auch auf langfristige Hilfen für ihre Kohle- und Gaskraftwerke.

rei mit dpa

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