Freitag, 16. November 2018

Ungewöhnlich harte PR-Attacke Deutsche Gaswirtschaft erklärt Kohleindustrie den Energie-Krieg

Kampagne der deutschen Gaswirtschaft (Screenshot)
klima2020.de
Kampagne der deutschen Gaswirtschaft (Screenshot)

Der alte Konsens in der deutschen Energiebranche lautete ungefähr so: Von allem etwas. Wenn es einen breiten Energiemix gibt, können alle ganz gut leben. So hielten es vor allem Vertreter der konventionellen Energiequellen Atomkraft, Kohle, Öl und Gas. Doch diese Zeiten sind angesichts der fortschreitenden Energiewende offenbar vorbei. Stattdessen attackiert die deutsche Gaswirtschaft die Kohlebranche nun mit einer so klaren wie vernichtenden Aussage: Ihr müsst weg.

"Ein Kohleausstieg 2040 ist zu spät. Dazu sollte früh Klarheit herrschen, damit sich die Branche darauf einstellen kann", sagte ein Sprecher des Lobbybündnis Zukunft Erdgas, das hinter der Kampagne "Klima2020" steht, gegenüber manager-magazin.de. "Braunkohle zu verbrennen ist die dreckigste und klimaschädlichste Form der Stromerzeugung", heißt auf der Website der Kampagne. Hinter dem Bündnis Zukunft Erdgas stehen Gasnetzbetreiber, Stadtwerke und der Gaskonzern Wingas. Er gehört zum russischen Staatsunternehmen Gazprom.

Seit Jahren beklagt die Gaswirtschaft Nachteile durch die Energiewende. So waren Gaskraftwerke lange schlecht ausgelastet, weil immer mehr Strom aus Windkraft- und Solaranlagen anfällt. Die verbleibenden Lücken füllen vor allem Kohlekraftwerke, weil deren Betrieb billiger ist als der von Gaskraftwerken. Denn der Preis für CO2-Emissionsrechte ist Boden, weil subventionierter Ökostrom den Markt flutet.

Mit seiner Kampagne mischt sich das Bündnis auch in die Debatte um den Klimaschutzplan 2050 ein, über den sich gerade die Bundesregierung streitet. Bundesumweltministerin Barabara Hendricks (SPD) hatte zunächst einen vergleichsweise raschen Kohleausstieg bis etwa 2035 oder 2040 ins Gespräch gebracht. Aus der Union und von Gewerkschaften kam Widerstand.

Momentan kann sich die Koalition noch nicht einmal auf die Einsetzung einer Kommission einigen, die ein geeignetes Ausstiegsdatum ermittelt. Die Bergbaubranche selbst will bis mindestens 2040 Braunkohle in Deutschland fördern. Gerade erst fertiggestellte Stein- und Braunkohlekraftwerke würden ebenfalls mindestens so lange durchhalten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH