Donnerstag, 19. Juli 2018

Ende einer Energiewende-Absurdität in Sicht Totgesagte Gaskraftwerke sind wieder quicklebendig

Ranking: Das waren 2015 Deutschlands wichtigste Stromquellen
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2. Teil: In Frankreich macht Gas schon der Atomkraft Konkurrenz

So könnte die Idee vom Gas als "Brücke" in eine Zukunft mit 100 Prozent erneuerbarer Elektrizität doch noch funktionieren - und nicht ständig von billiger Kohle überschwemmt werden. Soll nach dem Atom- auch noch der Kohleausstieg gelingen - was nötig ist, damit die Energiewende überhaupt einen Nutzen für den Klimaschutz hat -, muss die Gaskraft wieder aus ihrer Nische herauskommen.

Zuletzt rutschte sie mit einem Anteil von 8,8 Prozent auf Platz fünf im deutschen Strommix. Vorn war 2015 die Braunkohle vor der Steinkohle, der Kernkraft und der Windenergie.

Doch seit Anfang Dezember sieht es besser für die Gaskraftwerke aus. Wenn Erneuerbare Energien sowie die verbleibenden Atom- und Braunkohlekraftwerke den Strombedarf allein nicht decken, kommen häufiger Gasanlagen mit geringeren Grenzkosten zum Zuge. Alte Steinkohlekraftwerke stehen mitunter still.

Am Donnerstag vergangener Woche ließen sich laut Bloomberg bis zu 8,45 Euro je Megawattstunde mit Gaskraftwerken verdienen - bei Strompreisen von bis zu 85 Euro pro Megawattstunde. Solche Bedingungen gab es lange nicht.

In Frankreich sind dem Bericht zufolge sogar manche Gaskraftwerke, die rund um die Uhr laufen, günstiger als die Atomkraft. Versorger Engie habe im vergangenen Jahr die Produktion von vier gasbetriebenen Anlagen verdoppelt und ein vorübergehend stillgelegtes Werk in Fos-sur-Mer nahe Marseille wieder hochgefahren.

Deutsche Versorger spüren den Trend ebenfalls. Gesunkene Gaspreise führten "trotz niedriger Strompreise zu einem höheren Einsatz der Gaskraftwerke in Dezember 2015", teilte eine RWE-Sprecherin manager-magazin.de mit.

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Von ihrer Klage, dass der Preisverfall ausgerechnet ihre modernsten und vergleichsweise sauberen Anlagen unrentabel mache, möchten sich die Versorger aber nicht abwenden. Ihre Vollkosten würden die Anlagen immer noch nicht erwirtschaften.

Dass es sich aber überhaupt wieder lohnt, die Blöcke verstärkt anzuwerfen, ist bemerkenswert. Damit stellt sich auch die Frage, ob die Versorger bereits gebaute Gaskraftwerke tatsächlich wie geplant einmotten.

Besonders pikant ist die neue Lage am Strommarkt für die von Eon Börsen-Chart zeigen abgespaltene Firma Uniper, zuständig für das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken. Ihr bayerisches Gaskraftwerk Irsching gilt als "Treppenwitz" der Energiewende, wie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte. Denn Irsching gilt als unprofitabel und steht meistens still.

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