Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Ökostrom-Dorado Ellhöft So hat die Windkraft ein 113-Seelen-Dorf reich gemacht

16 Prozent Rendite, kostenloses Breitband: So profitiert Ellhöft von der Windkraft
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Aus 68 Metern Höhe lässt Reinhard Christiansen den Blick über seine Heimat schweifen. Sattgrüne Wiesen bis zum Horizont, dazwischen Gehöfte - und Windräder. Viele Windräder.

"Das ist schon geil", sagt der stämmige Nordfriese, Ex-Landwirt und jetzt Geschäftsführer von fünf Windparks. Die Brise aus Südost wirbelt sein Haar durcheinander, die Wintersonne lässt es leuchten. Christiansen, 63, steht auf einer der Anlagen, mit denen hier in Ellhöft vor bald 20 Jahren alles begann.

"Geil" ist das für die meisten hier, keine Frage: Die Windkraft hat das 113-Einwohner-Dorf reich gemacht, wie so manchen Landstrich an der Küste. Jedes Jahr leitet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr als fünf Milliarden Euro in die Windhochburgen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Geld, mit dem die Stromkunden auch Christiansens Bürger-Windgesellschaften vergüten.

Renditen von bis zu 16 Prozent

Doch der anstrengungsarme Energie-Wohlstand auf dem platten Land ist bedroht. Windstrom-Erzeuger sollen ihre Elektrizität künftig billiger anbieten, so will es Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Er setzt auf Ausschreibungen: Nur wer knapp kalkuliert, soll künftig noch EEG-Geld bekommen. "Die Zeit des Welpenschutzes ist vorbei", sagt Gabriel.

Traumrenditen wie die in Ellhöft und Umgebung üblichen 12 bis 16 Prozent sind bei neuen Anlagen bald nicht mehr drin. Norddeutschland, als Energieexporteur so etwas wie das mitteleuropäische Texas, muss sich deshalb nach und nach neu erfinden - und tut sich dabei schwer.

Bisher läuft es so schön einfach: Die meisten Einwohner streichen als Kommanditisten üppige Ausschüttungen ein. Zudem werfen die Windpark-Gesellschaften jedes Jahr Hunderttausende Euro Gewerbesteuer ab. Ellhöft hat für 2015 mit 324.000 Euro kalkuliert.

16 Prozent Rendite, kostenloses Breitband: So profitiert Ellhöft von der Windkraft

Ökostrom-Manager Reinhard Christiansen: Der ehemalige Landwirt führt die Geschäfte von mehreren Windparks. Sie laufen gut.

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In Christiansens Wohnort Ellhöft (Schleswig-Holstein) dominieren die erneuerbaren Energien, wohin das Auge blickt. Zwischenzeitlich entstand auch ein Solarpark.

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Aus seiner Versicherungsagentur heraus hat Christiansen ein kleines Firmenimperium aufgebaut. Wichtig ist ihm, dass sich alle Bürger an den Ökostrom-Projekten beteiligen können. Die Investitionssummen sind begrenzt und betragen im Schnitt knapp 30.000 Euro pro Anleger.

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Zur Jahrtausendwende ging es los, mit sechs Windmühlen aus Dänemark. Dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes liefern sie bis heute verlässliche Erträge aufs Konto der Windpark-Gesellschaft. Die Rendite beträgt in der stürmischen Region nach einigen Jahren 12 bis 16 Prozent.

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Jedes Jahr spülen die Ökostrom-Anlagen hohe Gewerbesteuereinnahmen in die Kasse des 113-Einwohner-Dorfs. Für 2015 sah der Haushaltsplan Erträge von 324.000 Euro vor. Die Gemeinde hat sich schon zuvor ein schmuckes Versammlungshaus geleistet...

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...sowie einen Spielplatz, der allerdings schwach frequentiert ist. Zudem wird das Breitbandnetz zügig ausgebaut. Die Anschlüsse sind für die Bürger kostenlos.

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Der Ökostromboom hat allerdings auch Schattenseiten. Die Netze sind zu schwach, um sämtliche Elektrizität abzutransportieren.

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In der Nähe von Flensburg laufen derart viele Leitungen zusammen, so dass das Netz verstopft.

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Immer wieder stehen die Windräder in Ellhöft still, wenn der Wind weht - der Netzbetreiber regelt sie ab. Im Dezember durfte der Windpark nur 50 Prozent des möglichen Stroms produzieren.

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Christiansen und seine Mitstreiter haben sogar ein eigenes Umspannwerk gebaut, um die Situation zu entschärfen. Viele Windmüller haben sich Elektroautos gekauft, um mehr Strom vor Ort zu verbrauchen.

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Die Region kurbelt den Tourismus mit Elektrofahrrädern an, betrieben mit Windstrom.

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Eine weitere Hoffnung heißt Wasserstoff. Das Gas soll aus Strom und Wasser in einem Elektrolyseur erzeugt werden und eines Tages Brennstoffzellen-Autos wie den Toyota Mirai antreiben. Aber auch der Bummelzug nach Dänemark könnte mit Wasserstoff fahren. Christiansen verhandelt darüber mit dem Betreiber.

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Funktioniert der Plan, wäre er wohl eine Blaupause für die Weiterentwicklung der Energiewende. Und die Ökostrom-Subventionen würden sich für Christiansen und seine nordfriesischen Mitstreiter langfristig auszahlen.

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