Montag, 20. November 2017

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Solarenergie in Skandinavien billiger als Kohlestrom Dänemark blamiert deutsche Ökostrom-Lobby

Solar-Haus in Dänemark (Entwurf): Kaltes Land als Sonnenenergie-Vorreiter
C.F. Møller Architects
Solar-Haus in Dänemark (Entwurf): Kaltes Land als Sonnenenergie-Vorreiter

Dänemark gilt als eine der weltweit führenden Windkraft-Nationen - was angesichts der regelmäßigen und steifen Meeresbrise leicht nachvollziehbar ist. Kein Wunder, dass die Skandinavier schon fast die Hälfte ihres Stromverbrauchs mit den Rotoren decken.

Nun aber macht das nordische, kalte Land auch bei der Sonnenenergie von sich reden. Bei einer staatlichen Ausschreibung für ein 50-Megawatt-Projekt hat ein Investor den Zuschlag erhalten, der Strom aus Photovoltaikanlagen für 5,38 Cent die Kilowattstunde erzeugen und nach Deutschland liefern will.

Das ist ein extrem niedriger Preis, der sogar unter dem Wert liegt, den Branchenkenner für Strom aus neuen Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken ansetzen. "Skaleneffekte, unsere Erfahrung mit großen Projekten und die sinkenden Kosten für Photovoltaik-Technik" seien die Hauptgründe dafür, dass ein solcher Preis möglich sei, sagte der Chef des Ausschreibungs-Gewinners European Energy, Erik Andersen, gegenüber manager-magazin.de.

Doch das sind offenbar nicht die alleinigen Ursachen dafür, dass Dänemark Deutschland mal wieder zeigt, wie sich die Energiewende günstiger umsetzen lässt. Auch die vom Staat gesetzten Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass die Rechnung für die Stromkunden niedriger ausfällt.

Dänischer Offshore-Windstrom als Preisbrecher

In Deutschland bezuschussen die Stromverbraucher die erneuerbaren Energien jedes Jahr mit mehr als 20 Milliarden Euro. Der Großteil der Summe lässt sich auf die ehemals sehr hohen, festen Vergütungssätze für Ökostrom zurückführen, die über 20 Jahre ausgezahlt werden.

Doch obwohl diese Sätze für neue Anlagen stark abgesenkt und bei Großprojekten durch Ausschreibungen ersetzt wurden, sind die Kosten in der Bundesrepublik vergleichsweise immer noch recht hoch. Das zeigte sich zuletzt schon bei Offshore Wind. So gewann Versorger Vattenfall eine Ausschreibung für das Projekt "Kriegers Flak" in der dänischen Ostsee und wird Strom für bisher nicht gesehene 4,99 Cent pro Kilowattstunde liefern. In Deutschland kassieren Windparkbetreiber bis zu 19,4 Cent.

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Selbst wenn es in Deutschland zu Ausschreibungen kommt, liegen die Gewinner-Gebote über dänischem Niveau. Zuletzt gewannen Solarparkbetreiber derartige Wettbewerbe in Deutschland mit Preisen, die um etwa zwei Cent pro Kilowattstunde - also knapp 40 Prozent - über den nun erzielten dänischen liegen. Entsprechend höher werden die Stromkunden über die EEG-Umlage belastet.

Wie kann das sein? Schließlich scheint die Sonne in vielen Teilen Dänemarks nicht intensiver als beispielsweise am Oberrhein oder in der Lausitz.

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