Montag, 23. Januar 2017

Investitionen in energiesparende Technik Geht das noch, oder muss das weg?

Diese Maschine zur Textilproduktion in den USA ist nun wirklich alt - und verbrauchte vermutlich sehr viel Energie. Die Frage, wann Unternehmen in eine energieeffiziente Produktion und neue Maschinen investieren sollen, stellt sich aber nach wie vor

Die Energieeffizienz erhöhen und Kosten sparen. Klingt gut, doch ohne Investitionen geht das nicht. Rechnet sich das für Unternehmen überhaupt? Wo liegen die größten Hindernisse? Welche Steuervorteile gibt es? Ein Gespräch mit VDMA-Experte Holger Müller.

mm.de: Herr Müller, die Bundesregierung hängt das Thema Energieeffizienz mit neu aufgelegten Förderprogrammen sehr hoch. Dazu sollen sich tausende Unternehmen bundesweit in Netzwerken finden und austauschen - auch die des VDMA. Dass Maschinenbauer für ihre Kunden engergieeffiziente Produkte auf den Markt bringen, versteht sich von selbst, möchte man meinen. Warum also diese Arbeitskreise, für die Firmeninhaber und Geschäftsführer in der Regel gar keine Zeit haben?

Dr. Holger Müller
Holger Müller
Dr. Holger Müller ist Wirtschaftsingenieur. Seit Oktober 2015 ist er Referent für Energieeffizienz-Netzwerke beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und zuständig für ihren Aufbau. Der VDMA unterstützt die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke der Bundesregierung.

Müller: Glauben Sie mir, auch wenn sich vielleicht in einigen Bereichen mehr herausholen ließe, in Deutschland hergestellte Maschinen und Anlagen für das produzierende Gewerbe arbeiten in hohem Maße energieeffizient. Die Produkte unserer Mitgliedsunternehmen sind hier im internationalen Vergleich ganz vorne zu finden. Bei den Netzwerken geht es vielmehr darum, dass die Teilenehmer - also auch unsere Mitglieder - ihre eigene Energieeffizienz stärker im Blick haben, dafür wirtschaftliche Lösungen finden und sich verbessern können. Schließlich sind Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern seit gut einem Jahr gesetzlich zur Durchführung eines sogenannten Energieaudits verpflichtet. Ein solches Energieaudit hilft bei der Suche nach Verbesserungspotentialen für einen effizienteren Einsatz und damit geringeren Verbrauch von Energie.

mm.de: Wenn ich Sie im Vorgespräch richtig verstanden habe, machen die Energiekosten von Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau kaum mehr als 2 Prozent der Gesamtkosten dieser Unternehmen aus. Welchen Anreiz haben diese Firmen dann überhaupt noch, Energieverbrauch und -kosten zu reduzieren?

Müller: Das ist richtig, bei den meisten Maschinenbauern liegt der Energiekostenanteil sogar noch unter 2 Prozent und trotzdem bewegt sich viel bei der Energieeffizienz. Viele Unternehmen haben, auch im Zuge der Energieauditpflicht, in letzter Zeit ein Energiemanagementsystem eingeführt. Diese fordert eine kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz. Die Unternehmensführung will Erfolg natürlich langfristig planen, dazu gehört ein niedriger Energieverbrauch und niedrige Energiekosten. Sie werden also Teil der strategischen Unternehmensplanung mit ambitionierten Zielen die nach außen kommuniziert werden.

mm.de: Und das interessiert die Kunden der Unternehmen?

Müller: Die Wahrnehmung von Kunden hat sich gewandelt und wird sich weiter verändern. Es reicht heute nicht mehr, eine effiziente Maschine zu verkaufen, sie soll auch ressourcenschonend hergestellt worden sein. Unsere Mitglieder hören auch auf das, was das Umfeld und die Stakeholder über sie denken. Hoher Energieverbrauch und Emissionen werden da nicht positiv bewertet. Sie sehen also, die Anreize am Energieverbrauch zu arbeiten, sind sehr vielschichtig.

mm.de: Sie sind Wirtschaftsingenieur, haben zu Energiesparkonzepten in der Industrie geforscht. In welchen Branchen sehen Sie den größten Bedarf, Energieverbrauch und Energieeffizienz zu verbessern?

Müller: Grundsätzlich ist jede einzelne Kilowattstunde Energie, die nicht verbraucht wird wichtig. Aber natürlich ist aus Unternehmersicht dort der Bedarf am höchsten, wo Energiekostenanteile hoch sind. Die chemische Industrie, die Papierherstellung oder einzelne Zweige der Lebensmittelindustrie sind Beispiele dafür. Wenn man etwas differenzierter in den Maschinenbau schaut, erkennt man auch dort Bereiche mit hoher Energieintensität. So gibt es hier nach wie vor Unternehmen mit Gießereibetrieb oder Bereiche zur thermischen Behandlung von Metallerzeugnissen. Nun hat sich Bundesregierung hohe Ziele gesteckt. Bisher setzt man dort zur Erreichung auf die Freiwilligkeit der Unternehmen.

mm.de: Mit welchem Ergebnis?

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