Dienstag, 18. Dezember 2018

Investitionen in energiesparende Technik Geht das noch, oder muss das weg?

Diese Maschine zur Textilproduktion in den USA ist nun wirklich alt - und verbrauchte vermutlich sehr viel Energie. Die Frage, wann Unternehmen in eine energieeffiziente Produktion und neue Maschinen investieren sollen, stellt sich aber nach wie vor

3. Teil: Wie ein Unternehmen seinen Energieverbrauch um 20 Prozent senkte

Müller: Durchaus. So hatte sich zum Beispiel ein Teilnehmer im bayerischen VDMA-Netzwerk 2012 das ehrgeizige Ziel gesetzt, seinen absoluten Energieverbrauch in fünf Jahren um 20 Prozent zu reduzieren. Das Unternehmen erreichte sein Ziel sogar vorzeitig.

mm.de: Wie gelang das?

Müller: Mit einer konsequenten Strategie und vor allem der Benennung von Verantwortlichen. Klare Verantwortlichkeiten in diesem Prozess sind sehr wichtig. Als Grundlage diente eine umfassende Bewertung aller Energieverbraucher. Der Maschinenpark wurde dazu bis in den kleinsten Verbraucher analysiert und dem gegenübergestellt, was heute technisch machbar ist. Alle Maßnahmen, welche die Wirtschaftlichkeitskriterien der Unternehmensleitung erfüllten, mussten umgesetzt werden. Man sollte meinen, dass dabei schnell eine Grenze erreicht ist - schließlich hat das Unternehmen in wenigen Jahren mehrere Millionen Euro investiert. Aber der technische Fortschritt bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Deshalb wird auch weiter an weniger Energieverbrauch gearbeitet. Und das nicht nur mit effizienteren Maschinen, sondern auch mit Gebäudemodernisierung oder der Schulung von Mitarbeiter für einen bewussten Umgang mit Energie.

mm.de: Wo liegen in der Praxis die größten Hindernisse für solche Investitionen? Fehlt es an der Analyse, am Knowhow, vielleicht auch schlicht an Kapital?

Müller: Meine Erfahrung zeigt mir, dass es eine Mischung aus verschiedenen Hemmnissen ist. Sicher ist das Knowhow um die Möglichkeiten effizienter Maschinen ein wesentliches Kriterium. Vor allem mittelständische Unternehmen neigen dazu, Maschinen sehr lange zu betreiben. Hinzu kommt dort häufig noch der Faktor Zeit. Dann ist etwa die Personaldecke ist sehr dünn, um sich intensiv mit den Möglichkeiten der neuesten Technologien auseinanderzusetzen. Der Fokus liegt auf der Produktion. Um dem entgegenzuwirken bieten heute die Maschinenhersteller nicht mehr nur die Maschinen selbst an, sondern unterstützen den zukünftigen Betreiber bei der Optimierung des Prozesses, bei der Auswahl der richtigen Technologie und bei Fragen im Betrieb. Solche Angebote nehmen übrigens auch große Unternehmen gerne an und entlasten damit ihre Kapazitäten.

mm.de: Könnten Unternehmen angesichts grundsätzlich niedriger Energiekosten dazu geneigt sein, keine neuen, energieeffizienteren Maschinen anzuschaffen?

Müller: Wie ich vorhin schon beschrieben haben, ist Energieeffizienz leider noch kein A-Kriterium bei der Kaufentscheidung. Deshalb glaube ich nicht, dass niedrige Energiekosten einen wesentlichen Einfluss auf die Beschaffung von neuen Maschinen haben. Sehen Sie, Maschinen werden in der Regel dann ersetzt, wenn sie den Ansprüchen nicht mehr genügen. Das ist dann der Fall, wenn die Qualität des Prozesses nicht mehr gewährleistet wird oder die technische Lebensdauer erreicht ist, also der Wartungsaufwand zu groß wird. Bei diesen klassischen Ersatzinvestitionen suchen die Unternehmen dann immer auch nach effizienteren Lösungen. Maschinen werden ja über viele Jahre betrieben und die derzeit niedrigen Energiekosten sind meiner Meinung nach nur eine Momentaufnahme.

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