Donnerstag, 16. August 2018

Investitionen in energiesparende Technik Geht das noch, oder muss das weg?

Diese Maschine zur Textilproduktion in den USA ist nun wirklich alt - und verbrauchte vermutlich sehr viel Energie. Die Frage, wann Unternehmen in eine energieeffiziente Produktion und neue Maschinen investieren sollen, stellt sich aber nach wie vor

2. Teil: Niedrigere Energiekosten trotz steigender Energiekosten - geht das?

Müller: Die Unternehmen liegen noch hinter den Zielen zurück und es bleibt zu befürchten, dass der regulatorische Druck zunehmen und der Gesetzgeber mehr verlangen könnte. Dies trifft dann jede Branche, nicht nur die energieintensiven Unternehmen.

mm.de: Lässt sich einschätzen, welche Branchen hier in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte gemacht haben?

Müller: Die Frage müsste eher nach den Prozessen beziehungsweise Technologien gestellt werden, bei denen die größten Fortschritte erzielt wurden. Aber grundsätzlich sind auch hier die energieintensiven Branchen der Metallherstellung, Glasherstellung oder chemische Industrie aufzuführen. Dort werden große Mengen Prozesswärme bei hohen Temperaturen benötigt, der Kostendruck ist hier am höchsten und die absoluten Einsparungen die größten. Relativ betrachtet wird industrieweit eingespart und der Maschinen- und Anlagenbau liefert dafür die notwendigen Technologien. Nicht zuletzt deshalb konnten manche Branchen sogar ihre Energiekostenanteile senken - trotz stetig steigender Energiekosten.

mm.de: Energieersparnis ist wohl nur einer von mehreren Gründen, warum ein Betrieb oder mittelständisches Unternehmen erwägt, den Maschinenpark zu erneuern. Gibt es gleichwohl eine Faustregel, wann sich das aus Gründen der Energieeffizienz für ein Unternehmen lohnt?

Müller: Das sehen sie natürlich richtig. Bei der Beschaffung von Maschinen haben Unternehmen eine lange Wunschliste. Ganz oben stehen da die Anforderungen an den Prozess, den die Maschinen erfüllen sollen und die Investitionskosten, aber auch die Bediener- und Wartungsfreundlichkeit. Das Energiemanagement sorgt mittlerweile dafür, dass Effizienzkriterien im Beschaffungswesen immer mehr Gewicht bekommen. Das ist auch wichtig, weil nur so gewährleistet wird, dass neue Maschinen zur Verbesserung der Energieeffizienz beitragen.

mm.de: So weit verständlich, aber wo ist jetzt der Haken?

Müller: Leider kaufen Unternehmen Maschinen nach wie vor auf Basis von Amortisationszeiten ein, was lediglich den möglichst kurzen Zeitraum bis zum Rückfluss des gebundenen Kapitals betrachtet. Das kann dazu führen, dass ein Unternehmer Maschinen kauft, die zwar in der Anschaffung günstiger sind, aber höhere Betriebs- und Energiekosten haben. Viel sinnvoller wäre die Bewertung der Lebenszykluskosten, also über den gesamten Zeitraum des Maschinenbetriebs. Eine etwas höhere Investition in mehr Effizienz macht sich nämlich langfristig bezahlt, auch wenn dafür zu Beginn etwas mehr Kapital gebunden werden muss.

mm.de: Welche Steuervorteile genießen Unternehmen, wenn sie sich energieeffizienter aufstellen?

Müller: Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht der Gesetzgeber heute Unternehmen eine Rückerstattung von bezahlten Strom- und Energiesteuern. Oder sie können eine Rückerstattung der EEG-Umlage beantragen sowie am Spitzenausgleich teilnehmen. Das sind wichtige Instrumente, um die Wettbewerbsfähigkeit vor allem international agierender Unternehmen zu sichern. Denn im internationalen Vergleich haben wir in Deutschland hohe Energiekosten, was zuerst an den Energiesteuern, Zuschlägen und Umlagen liegt. Die Anforderungen für Erleichterungen sind nicht unerheblich und das ist auch wichtig, damit die Unternehmen wirklich effektiv ihren Energieverbrauch senken.

mm.de: Könnten Sie mal ein plastisches Beispiel aus der Praxis nennen, wo sich ein Unternehmen dank eines neuen Maschinenparks deutlich energieeffizienter und kostensparender aufgestellt hat?

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