Freitag, 15. Dezember 2017

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Versorger plant Radikalreform EnBW bereitet sich auf Kohle-Ausstieg vor

Kohlekraftwerk Altbach/Deizisau von EnBW

Der Energiekonzern EnBW will sich einem Pressebericht zufolge langfristig nur noch auf erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb konzentrieren. Die konventionelle Stromerzeugung spiele mittelfristig in den Planungen keine Rolle mehr, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein vertrauliches Papier, in dem Konzernchef Frank Mastiaux die neue Strategie des Konzerns beschreibe.

Mastiaux wolle EnBW als Infrastrukturpartner für Groß- und Privatkunden positionieren und mit Windparks, Transport- und Verteilnetzen Geld verdienen. Der Konzern wolle auch in andere Infrastrukturbereiche vorstoßen wie dem Breitbandausbau, der Elektromobilität oder der Vernetzung ganzer Stadtviertel.

Kohle spielt dagegen keine Rolle mehr: "Wir gehen davon aus, dass die Kohlekraftwerke auf das politisch gewollte Ende zusteuern", zitierte die Zeitung aus dem Papier. Aktuell betreibt EnBW noch acht Kohlekraftwerke, zwei Kernkraftwerke sowie zwei Gaskraftwerke.

Die Neuausrichtung zeige sich auch in der Finanzplanung: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll dem Bericht zufolge bis 2025 von derzeit 1,9 Milliarden Euro auf mehr als 3 Milliarden Euro steigen. Die konventionellen Kraftwerke würden dazu aber nichts mehr beisteuern. Die erneuerbaren Energien sollten dagegen genau wie die Netze 1,3 Milliarden Euro erwirtschaften, der Vertrieb mehr als 600 Millionen Euro.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte der Zeitung, dass der Konzern eine neue Strategie erarbeitet hat. Zu Details wollte er sich aber nicht äußern.

Die zwei deutschen Branchenführer RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen hatten bereits ihre Lehren aus der politisch gewollten Energiewende gezogen und ihr konventionelles Kraftwerksgeschäft von den Erneuerbaren Energien und Netzen abgespalten.

nis/dpa

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