Mittwoch, 7. Dezember 2016

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Teslas neuer Batteriespeicher Elon Musk will Hausbatterie zum Kampfpreis anbieten

Will die weltweite Energienutzung mit seinen neuen Speichern revolutionieren: Elon Musk kündigt die Produktion von Batterien für den Hausgebrauch und kleine Unternehmen an. Die Zellen sollen zum Beispiel überschüssig produzierten Sonnenstrom aufnehmen können

Der US-Elektroautopionier Tesla will künftig auch Batterien für Häuser und Geschäfte produzieren und vertreiben. Auf der Suche nach neuen Erlösmöglichkeiten kündigte Tesla-Chef Elon Musk in der Nacht zu Freitag an, stationäre Energiespeichersysteme auf den Markt zu bringen.

Dafür sollen ganz offensichtlich baugleiche Batterien verwendet werden, wie sie auch in Teslas Elektroautos installiert sind. Musk will die Hausbatterien in der Tesla-Fabrik in Nevada fertigen lassen. Die Produktion werde noch im Laufe des Jahres starten, sagte der Tesla-Chef. Unter den ersten Test-Kunden sollen der Online-Händler Amazon, der ein Netz aus riesigen Rechenzentren betreibt, sowie der US-Einzelhändler Targe, sein.

Doch dabei soll es natürlich nicht bleiben. Musk verfolgt nach eigenen Worten kein geringeres Ziel, als die Art der weltweiten Energienutzung "fundamental zu verändern", die Menschen unabhängiger von fossilen Energieträgern und Stromkonzernen zu machen. Die Nachfrage nach neuen Energiespeichersystemen sei so hoch, dass Tesla und künftig andere Hersteller weltweit bis zu zwei Milliarden Batterie-Packs verkaufen könnten, zeigte sich Musk gestern Nacht überzeugt.

Weltweit sollen die Batterien mit dem Namen "Powerwall" bis zum kommenden Jahr erhältlich sein und zum Bespiel Solar- oder Windkraft-Strom zur späteren Verwendung speichern können. Angesichts der hohen Dichte von Solarmodulen auf deutschen Dächern dürfte Telsa vor allem den deutschen Markt schnell ins Visier nehmen.

Ökostrom-Anbieter Lichtblick will mit Tesla kooperieren

Dabei dürfte Tesla auch auf eine Kooperation zunächst mit dem Ökostromanbieter "Lichtblick" setzen, berichtet "Spiegel Online". Die Hamburger Firma wolle die Speicher von Tesla mit dem Stromnetz kommunizieren lassen. Wird in Deutschland zu viel Strom produziert, könnten die Akkus diesen aufnehmen und so das Netz entlasten. Umgekehrt könnten sie den gespeicherten Strom zurück ins Netz speisen. Für beides sollen die Besitzer der Tesla-Akkus Geld bekommen. An Expertise fehlt es nicht: Schon jetzt steuert Lichtblick tausende kleine Blockheizkraftwerke, die Wärme erzeugen aber auch Strom ins Netz abgeben. Den Erlös des verkauften Stroms teilt sich Lichtblick mit den Betreibern.

Überraschend kommt Musks angekündigter Einstieg in die Hausbatterie-Produktion nicht. Fachleute zeigten sich im Vorfeld der Präsentation allerdings skeptisch, dass Tesla eine mögliche Vorherrschaft bei Energiespeichersystemen für den Hausgebrauch erreichen kann.

"Technisch wird Tesla mit dem Produkt keine bedeutende Überlegenheit haben", äußerte sich etwa Batterieexperte Andreas Gutsch vom Karlsruher Institut für Technologie. Dies gelte insbesondere dann, wenn Tesla auf dieselben Batterienzellen setze wie in den Autos - das scheint der Fall zu sein. Diese Speicher zeichent sich zwar durch eine hohe Energiedichte aus, verlören aber nach 500 bis 1000 Ladezyklen deutlich an Kapazität. Bei Hausbatterien seien jedoch schon bald 5000 bis 10.000 Ladezyklen Standard, wenden die Experten ein.

Tesla geht mit Kampfpreis an den Start

Tesla will nach Aussagen von gestern Nacht zunächst zwei Modelle für den Hausgebrauch auf den Markt bringen: Das Batterie-Pack mit einer Kapazität von sieben Kilowattstunden soll für 3000 Dollar und das mit zehn Kilowattstunden zu 3500 Dollar (gut 3100 Euro) an die Installateure vertrieben werden.

Hier liegt vielleicht die eigentliche Überraschung. Auch wenn ein Wechselrichter in dem Preis nicht enthalten sein soll, interpretieren Experten den angekündigten Preis als Kampfpreis. Sie hatten offenbar mit deutlich höheren Vertriebspreisen gerechnet, was sie jetzt kritisch nachfragen lässt, wie Tesla mit diesen Batterien unter dem Strich noch Geld verdienen will.

Analysten der Deutschen Bank schätzen, dass der Markt für Energiespeicher-Systeme dem US-Autobauer Erlöse von bis 4,5 Milliarden Dollar bringen könnte. Marktforscher von IHS Cera rechnen vor, dass der Markt für entsprechende Batteriesysteme bis 2017 auf 19 Milliarden Dollar wachsen könne.

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mit Material von Nachrichtenagenturen

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