05.12.2017

Milliardär Paul Singer steigt bei Eon-Tochter ein

Hedgefonds Elliott mischt Kampf um Uniper auf

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Elliott-Gründer Paul Singer

Die Lage um den Energiekonzern Uniper wird noch unübersichtlicher. Nach Informationen von manager-magazin.de vom Dienstag ist der Hedgefonds Elliott Management bei der von Eon ausgegründeten Kraftwerksfirma eingestiegen. Der finnische Versorger Fortum muss sich daher wohl nun zusätzlich mit Elliott auseinandersetzen. Fortum hat - mit dem Segen des Großaktionärs Eon, aber gegen den erklärten Willen des Uniper-Managements - ein öffentliches Übernahmeangebot für die Aktien von Uniper gemacht.

Am späten Nachmittag bestätigte Uniper die Information mit einer Stimmrechtsmitteilung. Demnach hält Elliott seit Ende November mehr als 5 Prozent der Uniper-Aktien. Zum Überschreiten der Meldeschwelle wurde ein Stand von 5,32 Prozent einschließlich Aktienoptionen angegeben. Das von dem streitlustigen Milliardär Paul Singer gegründete Unternehmen Elliott mischt sich oft in Übernahmen am Aktienmarkt ein - meist, um den Preis weiter hochzutreiben und den Gewinn kurzfristig einzustreichen.

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Paul Elliott Singer: Der 73-Jährige kauft Aktien von Unternehmen oder Anleihen von Staaten, die kurz vor der Insolvenz stehen oder bereits zahlungsunfähig sind. Erholt sich das Unternehmen, kann der promovierte Jurist und studierte Psychologe die Aktien gewinnbringend verkaufen. Im anderen Fall zerschlägt er den Betrieb und verklagt den Schuldner. Dabei zeigt er eine ungeheure Ausdauer und Hartnäckigkeit. Die Liste seiner Opfer ist lang, neu hinzu gekommen ist nun...

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... Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger: Elliott besitzt zwar seit Ende Mai nur einen Anteil von weniger als drei Prozent, stellte aber sofort forsche Forderungen auf - darunter die Ablösung von Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Der bat Anfang Juli nun tatsächlich um Auflösung seines Vertrages.

Hyundai

Bei Hyundai Motor rührt Singer ebenfalls kräftig um: Im April 2018 kaufte Singer Hyundai-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar - und legte gleich mit Kritik an einer geplanten, 8,8 Milliarden Dollar teuren Restrukturierung los. Der südkoreanische Autohersteller knickte vor dem Druck des Investors ein und schob die Restrukturierung auf die lange Bank. Der geplante Umbau hätte der Hyundai-Gründerfamilie mehr Kontrolle über wichtige Unternehmensteile gegeben.

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Nebenbei ärgert Elliott den finnischen Energieversorger Fortum, der gerade Uniper übernehmen will, das vom deutschen Eon-Konzern ausgegliederte klassische Kraftwerksgeschäft. Singers Fonds stieg im Dezember 2017 bei Uniper ein, während das Übernahmeangebot von Fortum lief. Zusammen mit dem Uniper-Management nimmt er jetzt die Finnen in die Zange, fordert Sonderprüfer und treibt den Preis für eine Mehrheitsübernahme hoch.

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Im August 2017 knickte der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton ein. Auf Druck von Singers Hedgefonds Elliott, der 5 Prozent der BHP-Anteile kaufte, trennt sich das britisch-australische Unternehmen von seinem Schieferölgeschäft in den USA. Singer hatte getönt, schlechtes Management von BHP habe mehr als 40 Milliarden Dollar Aktienwert vernichtet.

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Beim deutschen Arzneimittelhersteller Stada ist Singer im Juli als Großaktionär eingestiegen - gerade, als der Übernahmekampf verschiedener Finanzinvestoren entschieden schien; im September schaffte er es mit 15 Prozent der Aktien noch, den Preis hochzutreiben. Ohne diese Anteile hätten Bain Capital und Cinven keinen Beherrschungsvertrag abschließen können.

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Klaus Kleinfeld: Der ehemalige Siemens-Chef musste im April seinen Posten als CEO des US-Metallkonzerns Arconic räumen. Kleinfeld hatte zuvor einen Brief an Elliott geschrieben, der vor süffisanter Häme vor allem gegen Singer strotzt. Der Hedgefonds hatte seit Monaten einen Umbau des Führungsgremiums gefordert. Doch mit dem Brief hat sich Kleinfeld selbst ins Abseits befördert. Inzwischen hat sich der Deutsche gütlich mit Arconic geeinigt und kann unbelastet eine neue Karriere starten: als Manager eines Megaprojekts in Saudi-Arabien.

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Auch bei dem Lübecker 3D-Druckspezialisten SLM Solutions, den der US-Konzern General Electric 2016 kaufen wollte, schoss Singer quer. Doch diesmal ging die Strategie nicht auf: Nachdem Elliott 20 Prozent der SLM-Aktien gekauft hatte, verkündete GE das Scheitern der Übernahmepläne - und kaufte stattdessen den Konkurrenten Concept Laser, einen Familienbetrieb.

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Auch der Volkswagen-Konzern stand schon auf der Liste des umtriebigen Hedgefonds: Der gescheiterte Versuch von Porsche, das Wolfsburger Unternehmen zu übernehmen, rief den Unmut von Singer hervor. Neben der Porsche Holding verklagte der Milliardär auch die beiden Aufsichtsratsmitglieder Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche persönlich auf 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz.

Celesio

Bei der Übernahme des Pharmahändlers Celesio durch den US-Konzern McKessen mischte Singer ebenfalls mit. Der Deal scheiterte im ersten Anlauf vor allem, weil sich Celesio-Aktionär Singer querstellte, um den Preis für seine Anteile in die Höhe zu treiben. Dass hinter den Kulissen wenig später doch noch eine Lösung gefunden wurde, dürfte insbesondere daran gelegen haben, dass ein Scheitern des Firmenkaufs auch für den Hedgefonds teuer geworden wäre.

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Kabel Deutschland gehört ebenso zu den Opfern Singers: Nachdem Vodafone im Juni 2013 seine Übernahmeofferte für den deutschen Netzbetreiber abgegeben hatte, begann Singers Finanzvehikel Elliott sukzessive seinen Anteil an Kabel Deutschland zu erhöhen. Zudem versuchte Elliott, den Deal über die Medien zu torpedieren. Singers erkennbares Ziel dabei erneut: Den Preis für die Kabel-Aktien in die Höhe zu treiben.

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Doch nicht nur Unternehmen stehen auf Singers Beuteliste. Auch ganze Staaten. Legendär ist inzwischen der Streit des Milliardärs mit Argentinien. Als das südamerikanische Land 2001 Insolvenz anmeldete, kaufte Elliott zahlreiche Staatsanleihen auf. Während ein Großteil der Gläubiger später dem Land einen Großteil seiner Schulden erließ, verklagte Singer Argentinien auf Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar - und gewann mit über 1000-prozentiger Rendite.

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In der Republik Kongo ging Singer ähnlich vor: Ende der 1990er Jahre kaufte Elliott zu einem Schnäppchenpreis Staatsanleihen im Nennwert von 30 Millionen Dollar. Wieder klagte er auf vollständige Rückzahlung. Schließlich ordnete ein britisches Gericht an, dass der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore 39 Millionen Dollar, die das Unternehmen eigentlich an den Kongo für zwei Öllieferungen zahlen sollte, an eine Elliott-Tochter überweisen musste.

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Auch Samsung hat der Hedgefonds Elliott ins Visier genommen. Singer forderte das sowieso um das Erbe des Patriarchen Lee Kun-hee ringende südkoreanische Konglomerat im Herbst 2016 auf, sich neu zu strukturieren und aufzuspalten. Die Aufspaltung in eine operative Einheit rund um Smartphones und Consumer Electronics sowie in eine Holding verspreche Steuervorteile, so Elliott. Zudem sei, Überraschung, eine Sonderdividende für die Aktionäre fällig, schrieb Singer in seinem Forderungskatalog.

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Die Liste der Firmen und Staaten ließe sich noch weiterführen. Seit 1977 ist Paul Singer jedenfalls mit diesem Geschäftsmodell erfolgreich. Inzwischen wird sein Vermögen auf 2,8 Milliarden Dollar geschätzt, auf der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner steht er auf Platz 272.

In Deutschland schaltete sich Elliott zuletzt unter anderem in den Kampf um den Arzneihersteller Stada ein - ebenfalls während eines laufenden Übernahmeangebots. Bei Stada brachte Singer mit einem 15-prozentigen Aktienanteil im September die Käufer Bain Capital und Cinven dazu, einen Aufschlag von 12 Prozent auf den öffentlich gebotenen Preis zu zahlen. Ohne die Aktien von Elliott hätten die Finanzinvestoren nicht die nötige Mehrheit für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gehabt.

Im Fall des Lübecker 3D-Druckspezialisten SLM Solutions hingegen verkalkulierte sich Elliott. Der US-Konzern General Electric gab seinen Übernahmeversuch 2016 lieber auf, als sich auf Singers Preisforderungen einzulassen, und kaufte stattdessen den nicht börsennotierten Wettbewerber Concept Laser.

Fortum will Eon dessen Anteil von 46,65 Prozent an Uniper abkaufen. Alle übrigen Aktionäre können ihre Anteilsscheine gemäß dem Übernahmeangebot noch bis 16. Januar für 22 Euro den Finnen andienen. "Dies ist unser bestes und letztes Angebot", erklärte Fortum-Chef Pekka Lundmark vorsorglich. Aktuell liegt der Kurs an der Börse jedoch noch höher - und stieg nach dem mm-Bericht auf ein weiteres Rekordhoch.

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