Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Elektroauto Deutschlands letzte Batteriezellen-Fabrik ist pleite

Produktion bei EAS in Nordhausen (Thüringen)

Sie wollten Londons Taxis mit Akkus ausstatten - doch jetzt hat der Batteriezellen-Hersteller EAS aus Thüringen Insolvenz angemeldet. Die Pleite ist ein neuer, herber Rückschlag für die Elektroauto-Zukunftstechnik in Deutschland.

Neue Hiobsbotschaft für den Elektroauto-Standort Deutschland: Der letzte relevante Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen für Pkw, die Firma EAS aus Nordhausen in Thüringen, hat laut einem Bericht der "Thüringer Allgemeinen" Insolvenz angemeldet.

Das Büro des Insolvenzverwalters Peter Staufenbiel bestätigte gegenüber manager-magazin.de, für den Fall zuständig zu sein. Weitere Fragen konnte es bisher aber nicht beantworten. Laut dem Zeitungsbericht soll das 36-Mitarbeiter-Unternehmen noch eine Chance mit einem neuen Investor bekommen.

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EAS hat sich auf Akku-Spezialanwendungen für U-Boote, Rennautos und die Raumfahrt konzentriert. Doch verfolgten die Thüringer auch Pläne für die Autoindustrie. So sollen die Batterien aus dem Harz zunehmend in Londoner Taxis zum Einsatz kommen. Was daraus nun wird, steht vorerst in den Sternen.

Die Pleite ist ein erneuter Rückschlag für die deutsche Industrie bei dem Versuch, eine schlagkräftige Batteriebranche aufzubauen. Die Akkus sind zentraler Bestandteil von Elektroautos, auf die die Autobauer zunehmend setzen.

Auf die Zellfertigung entfällt ein beträchtlicher Anteil der Wertschöpfung. Zuletzt hatte Daimler Ende 2015 eine Batteriezellen-Produktion im sächsischen Kamenz eingestellt.

In Deutschland gibt es weiterhin einige wenige kleine Batteriezellen-Fertigungen, die sich auf Akkus für Kleingeräte oder stationäre Anwendungen in der Industrie spezialisiert haben. Dazu zählen laut dem Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen-Batterien Produktionsstätten der Unternehmen Varta Microbattery, Liacon oder Leclanché.

Zellen für Elektroauto-Batterien kommen hingegen aus Asien nach Europa - von Herstellern wie LG Chem und Samsung Börsen-Chart zeigen (Südkorea) oder Panasonic Börsen-Chart zeigen (Japan). Diese Firmen beliefern auch deutsche Autobauer wie BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen, die die Akkus dann unter anderem in Europa zu Batteriemodulen zusammensetzen.

Zudem bauen chinesische Unternehmen wie BYD Börsen-Chart zeigen und CATL die Produktion massiv aus. US-Hersteller Tesla baut in Nevada eine so genannte Gigafactory, die bisherige Akkufabriken in den Schatten stellt. Die deutsche Autoindustrie und Gewerkschaften bringen zwar immer wieder eine neue, große Batteriefabrik in der Heimat ins Spiel - doch konkrete Pläne sind noch nicht öffentlich geworden.

Die Batterien von ESA aus Thüringen gelten als besonders hochwertig, aber auch mindestens doppelt so teuer wie die Massenware aus Asien. Mit einem großen Anteil Handarbeit entstehen unter dem Dach einer alten DDR-Gewerbeimmobilie Zellen, die eine besonders hohe Zyklenfestigkeit aufweisen: Sie lassen sich bis zu 7000-mal be- und entladen. Bei Autos gelten 1000 bis 1500 Zyklen als ordentlich.

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