Mittwoch, 29. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

AKW-Bauprojekt Hinkley C Englands neuer Atomstrom ist teurer als Solarenergie

Atomkraftwerk Hinkley: Großbritannien setzt weiter auf Kernkraft
Getty Images
Atomkraftwerk Hinkley: Großbritannien setzt weiter auf Kernkraft

Geld spielte bei diesem Deal offenbar keine Rolle: Die französischen Konzerne EDF und Areva sowie zwei chinesische Firmen bauen in England zwei ultrateure neue Atomkraftwerke. Gemessen an der vereinbarten Strom-Einspeisevergütung ist deutsche Solarenergie geradezu billig.

Hamburg - Die Förderung der Solarenergie in Deutschland gilt gemeinhin als Beispiel für krasse Übersubventionierung in der Stromerzeugung. Doch nun setzt Großbritannien einen drauf: Die Elektrizität aus den neuen Kernkraftwerken am Standort Hinkley ist noch einmal deutlich kostspieliger.

Mit dem französischen Energiekonzern Electricité de France Börsen-Chart zeigen (EDF) einigte sich die Regierung nach Angaben vom Montag nun auf die finanziellen Modalitäten für die Errichtung von zwei Reaktoren im westenglischen Hinkley Point.

Die beiden Reaktoren haben eine Leistungsfähigkeit von jeweils 1600 Megawatt und sollen 19 Milliarden Euro kosten. Den Plänen zufolge bekommt der Anlagenbetreiber für jede produzierte Megawattstunde Strom über 35 Jahre einen garantierten Betrag von 92,50 Pfund (109 Euro) plus Inflationsausgleich. Das liegt deutlich über dem Marktpreis für Strom von 49 Pfund im vergangenen Jahr.

Briten wollen alte Meiler ersetzen

Damit ist Atomenergie made in England sogar deutlich teurer als Solarstrom. In Deutschland erhalten Betreiber größerer Fotovoltaikanlagen seit Oktober nur noch 98,80 Euro pro Megawattstunde - für 20 Jahre und ohne Inflationsausgleich. Der Betrieb kann laut Bank-Analysten trotz der niedrigen Vergütung wirtschaftlich sein. Auch in Südengland liegen die Gestehungskosten für Sonnenstrom nicht viel höher als in Deutschland. Nochmals deutlich günstiger ist Elektrizität aus Windkraftanlagen.

Großbritannien will mit den neuen Meilern alte Anlagen ersetzen, die bis 2023 vom Netz gehen sollen. "Dies ist ein Symbol für die nächste Generation der Atomkraft in Großbritannien, die für unseren zukünftigen Energiebedarf und die langfristige Sicherheit bei der Versorgung eine wichtige Rolle spielt", sagte Premierminister David Cameron.

Die Förderung der Atomenergie ist ein zentrales Element der Regierungsstrategie, fossile Energieträger durch Alternativen mit niedrigem CO2-Ausstoß zu ersetzen. Die Anlage Hinkley Point C soll in rund zehn Jahren in Betrieb gehen. Die endgültige Entscheidung über den Bau, durch den 25.000 Stellen entstehen sollen, ist für kommenden Sommer geplant.

Am Konsortium zum Betrieb der Anlage, die rund 60 Jahre Strom liefern soll, sind außer EDF (45 bis 50 Prozent) auch Areva Börsen-Chart zeigen aus Frankreich (10 Prozent) sowie zwei chinesische Unternehmen (30 bis 40 Prozent) beteiligt. Mögliche weitere Firmen könnten bis zu 15 Prozent erhalten, wie die Partner mitteilten.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH