Montag, 26. September 2016

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Kohlekraft-Anteil und CO2-Ausstoß sinken deutlich Die chinesische Energie-Sensation

Wasserkraftwerk am Drei-Schluchten-Damm: China baut erneuerbare Energien stark aus

Ein beliebtes Argument im aktuellen Streit um die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke geht ungefähr so: Es ist doch letztlich egal, ob wir hierzulande CO2 einsparen oder nicht - die Chinesen pusten ohnehin immer mehr von dem Treibhausgas in die Luft.

Mit der tatsächlichen Entwicklung in der Volksrepublik hat diese Aussage indes nichts mehr zu tun. Von Januar bis Ende April dieses Jahres ist der Ausstoß von Kohlendioxid in China um gut 5 Prozent gesunken, wie die britische Zeitung "The Independent" berichtet und sich dabei auf Berechnungen von Greenpeace bezieht. Auch die Nachrichtenagentur Reuters beobachtet diese Entwicklung, die bereits im vergangenen Jahr begann.

Höhepunkt (vorerst) überschritten: Chinas CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe (in Milliarden Tonnen pro Jahr)
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Höhepunkt (vorerst) überschritten: Chinas CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe (in Milliarden Tonnen pro Jahr)
Gut 5 Prozent - das klingt zunächst nicht viel. Doch es handelt sich dabei um die gesamte Menge CO2, die Großbritannien in demselben Zeitraum ausgestoßen hat, wie der "Independent" herausstellt. Und das bei einer insgesamt weiter leicht steigenden Stromproduktion in China.

Möglich geworden ist die so spektakuläre wie unerwartete Reduktion, weil die chinesischen Kohlekraftwerke so schwach ausgelastet sind wie seit 38 Jahren nicht. Deshalb verfeuerte China 8 Prozent weniger von dem Brennstoff als im Vorjahreszeitraum.

Schwächelnde Wirtschaft nur eine von mehreren Ursachen

Die mit einem offiziellen Wachstum von etwa 7 Prozent etwas schwächelnde Wirtschaft ist nur eine von mehreren Ursachen für den Rückgang. Hinzu kommt ein langsamer Strukturwandel zu weniger energieintensiven Branchen.

Wasserkraft marsch! Wachstum einzelner Energieträger in der chinesischen Stromerzeugung 2014.
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Wasserkraft marsch! Wachstum einzelner Energieträger in der chinesischen Stromerzeugung 2014.
Vor allem aber erntet die Volksrepublik die ersten Früchte des Umstiegs auf sauberere Energieformen. Besonders die Stromproduktion aus teils neuen Wasserkraftwerken ist schon 2014 extrem gestiegen - um 175 Terawattstunden. Dies auch zum Missfallen von Umweltschützern, die die gigantischen Staudämme als unzulässigen Eingriff in die Natur kritisieren. Hilfreich für eine gute Auslastung der Anlagen war ergiebiger Regen.

Neue Wind- und Solarparks (zusammen 32 Terawattstunden zusätzliche Stromerzeugung) sowie Atom- (15) und Gaskraftwerke (34) trugen laut Greenpeace ebenfalls zum Einbruch bei der Kohle um 63 Terawattstunden bei (siehe Grafik). Die gesamte Stromproduktion in China liegt bei etwa 6000 Terawattstunden, das ist gut zehnmal so viel wie in Deutschland.

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