Freitag, 18. Januar 2019

Buchauszug "Das fossile Imperium schlägt zurück" Das Märchen von der Deindustrialisierung durch Ökostrom

Stahlarbeiter in Duisburg

2. Teil: Erneuerbare Energien - eine deutsche Jobmaschine ohne Beispiel

Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands gibt allem Anschein nach keinen Anlass zur Sorge, im Gegenteil. Die Investitionen in die Energiewende machen sich immer mehr bezahlt: Die Kostenbelastung sinkt von Jahr zu Jahr, ebenso wie die Energiepreise. Und auch wenn im Verbrauch noch enorme Einsparpotenziale liegen, ist die deutsche Industrie im internationalen Vergleich eine der energieeffizientesten.

Deutschland ist mit der Energiewende nicht nur wettbewerbsfähig, die Energiewende schafft auch im Land wirtschaftliche Vorteile. Auch wenn die Gewerkschaften weiter um die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie kämpfen, die Zukunft liegt in der Branche der erneuerbaren Energien. Hier entstehen neue Arbeitsplätze.

Schon heute gibt es in Deutschland fünfmal so viele Beschäftigte im Bereich der Erneuerbaren wie in der Kohleindustrie. Arbeiteten 2004 noch rund 160.000 Menschen in der Erneuerbare-Energien-Branche, waren es bis 2012 etwa 400.000 Beschäftigte - auch wenn die Zahl in den letzten Jahren aufgrund der gezielten Ausbremsung der Energiewende durch die Verschlechterung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien etwas zurückgegangen ist.

Hinzu kommen die Arbeitsplätze im Bereich Energieeffizienz. Es ist fraglich, wem die Investitionen in den Erhalt der Arbeitsplätze in der Kohleindustrie noch nutzen - und ob es nicht im gesamtgesellschaftlichen Interesse ist, die Gelder nicht in die alte Energiewelt, sondern in die Arbeitsmärkte der Zukunft zu investieren.

Buchtipp

Claudia Kemfert
Das fossile Imperium schlägt zurück: Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen

Murmann Publishers, 132 Seiten, Taschenbuch, April 2017, 14,90 Euro

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Doch nicht nur in Deutschland, auch im Rest der Welt boomt die Branche: Die International Renewable Energy Agency (Irena) hat 2014 in einer Studie untersucht, was eine Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien im globalen Energiemix auf 36 Prozent bis 2030 für die Weltwirtschaft und die einzelnen Volkswirtschaften bedeuten würde. Das Ergebnis: Die Erneuerbaren kurbeln die Wirtschaft an.

Das weltweite Bruttoinlandsprodukt würde stärker wachsen als es bei einem langsameren Ausbau der Erneuerbaren der Fall wäre, am stärksten in Japan mit bis zu 2,3 Prozent mehr Wachstum. Aber auch für viele andere Länder wurde ein höheres Wachstum prognostiziert, für Deutschland etwa ein Prozent.

Der globale Arbeitsmarkt im Bereich erneuerbare Energien würde von knapp zehn Millionen auf etwa 24,4 Millionen Arbeitsplätze wachsen. Die globalen Kohleimporte würden um mehr als die Hälfte sinken.

Statt einseitig brennstoffexportierender und brennstoffimportierender Länder würde sich ein anderes Geflecht internationaler Handelsbeziehungen ergeben - und für mehr Vielfalt und mehr Stabilität auf den Weltmärkten sorgen. Insgesamt geht die Irena von einem durchweg höheren Gemeinwohl aus - mit vielen positiven Effekten auf die UN-Nachhaltigkeitsziele, die die internationale Staatengemeinschaft anzustreben beschlossen hat.

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