Dienstag, 23. Mai 2017

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Stromübertragung per Mikrowellen China träumt von Riesenkraftwerk im Weltall

Skizze für einen Sonnenkraftwerk im All (von der US-Raumfahrtbehörde Nasa): Angesichts von Smog und wachsendem Energiebedarf braucht auch China Visionen für die Stromerzeugung

Das Apollo-Projekt? Stellen wir in den Schatten! Die Internationale Raumstation? Kinderkram!

Chinesische Wissenschaftler skizzieren jetzt ganz unbescheiden das nach eigenen Angaben größte Weltraumprojekt aller Zeiten - ein gigantisches Kraftwerk im All. Satte 36.000 Kilometer von der Erde entfernt sollen in Zukunft mächtige Solarpaneele Strom erzeugen, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Für den Transport zur Erde werde die Elektrizität "in Mikrowellen oder Laserstrahlen umgewandelt", so die Agentur. Ein Empfänger auf der Erde sammelt die Energie dann ein.

Smog, Treibhausgase und die Energiekrise bald Vergangenheit?

Der tiefere Sinn des Projets ist einleuchtend: Smog, Treibhausgase und die Energiekrise gehörten mit der Technik bald der Vergangenheit an, frohlockt Xinhua. Einige der wichtigsten Probleme, die die zunehmend umweltbewussten Chinesen derzeit so umtreiben, wären auf einen Schlag gelöst.

"Eine erste ökonomisch lebensfähige Station wäre sehr groß" zitiert die Agentur Wang Xiji, einen 93-jährigen Pionier der chinesischen Raumfahrt, der unter anderem die ersten Forschungsraketen der Volksrepublik geplant hat. "Die Fläche der Solarpaneele würde zusammen fünf bis sechs Quadratkilometer betragen", sagt Wang - das ist etwas größer als das Tempelhofer Feld in Berlin.

Anders als Photovoltaikanlagen auf der Erde würde eine solche Solarfabrik im All nahezu rund um die Uhr und damit zehnmal mehr Strom produzieren, zitiert die Agentur Duan Baoyan, Mitglied an der chinesischen Ingenieurs-Akademie.

Doch kein visionäres Großprojekt ohne gewisse Hürden. Laut Xinhua würde das Solarkraftwerk etwa 10.000 Tonnen auf die Waage bringen. Tatsächlich könnten derzeit nur wenige Raketen mehr als 100 Tonnen in den Orbit bringen.

Auch Elon Musk hat eine Meinung zur solaren Weltraumenergie

Von der Grundidee her ist ein Weltraum-Solarprojekt keinesweg neu. Science-Fiction-Autor Isaac Asimov nahm die Vision 1941 in seine Geschichte "Reason" auf. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa förderte in den 70er-Jahren die Forschungen des Arthur-D.-Little-Vizechefs Peter Glaser an der Technik. Im Jahr 1999 verstärkte die Nasa ihre Anstrengungen auf dem Gebiet - bis heute ohne durchschlagenden Erfolg.

Ein wesentliches Problem der Technik ist der wahrhaft astronomische Energieverlust. "Man müsste Photonen in Elektronen zu Photonen zu Elektronen umwandeln", sagte 2012 jemand, der eher nicht als Vertreter der Geht-nicht-Fraktion gilt: SpaceX-Chef Elon Musk. Aber von dem ist ja auch bekannt, dass er die Zukunft der Menschheit ohnehin nicht auf der Erde, sondern auf dem Mars sieht.

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