Montag, 18. Dezember 2017

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Dubiose Warnungen der Vergleichsportale Wie Verivox und Check24 die Strompreis-Angst schüren

Strompreis-Schock! Oder doch nicht?

In Deutschland geht mal wieder die Strompreis-Angst um. "Die Strompreise sind im Höhenflug", "Schon wieder wird's teurer", "Auf Verbraucher wartet ein nächster Strompreisschock" - mit diesen Schlagzeilen haben Medien die Kunden in den vergangenen Monaten auf schlechte Nachrichten vom Versorger eingestimmt.

Als Quelle derartiger Berichte dienen häufig Vergleichsportale wie Verivox und Check 24. Diese Unternehmen werten akribisch aus, welche Versorger Preisänderungen planen. Doch ihre Verlautbarungen führen oft in die Irre und suggerieren Teuerungswellen, die es so gar nicht gibt, wie Recherchen von manager-magazin.de ergeben haben.

Zum Jahreswechsel 2016/17, verkündeten die Vergleichsportale, würden steigende Abgaben und Umlagen stark preistreibend wirken. "Angesichts steigender Kosten für Versorger und bereits angekündigter Preisanpassungen rechnen wir 2017 mit 4 bis 5 Prozent höheren Strompreisen für Endkunden", ließ Ende November beispielsweise Oliver Bohr wissen, Geschäftsführer Energie bei Check 24.

Eine "durchschnittliche Strom-Preiserhöhung von insgesamt 3 Prozent, also knapp 30 Euro" zum Jahreswechsel erwartete Verivox - und legte an diesem Donnerstag noch einmal nach. Ab März, April oder Mai würden die Rechnungen für die Privatkunden um 4,4 Prozent teurer.

Die damit verbundene Botschaft lautet: Leute, Strom wird mal wieder teurer - aber wenn ihr mit unserer Hilfe den Anbieter wechselt, verhindert ihr das Schlimmste!

Letzteres ist schon deshalb fragwürdig, weil auf den Listen der Vergleichsportale mitunter dubiose Anbieter oben erscheinen. Und der allgemeine Strompreis-Alarm, der die Wechselbereitschaft erhöhen soll, ist zumindest stark übertrieben. Diese Sprache sprechen jedenfalls die offiziellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt.

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Zunächst einmal klingt die These vom stark steigenden Strompreis in Energiewende-Deutschland grundsätzlich glaubwürdig - auch wenn sie gar nicht mehr stimmt. Auf traumatische Art wirkt offenbar noch nach, dass Elektrizität seit 2010 laut dem Statistischen Bundesamt zunächst tatsächlich um gut 25 Prozent teurer geworden ist. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Preis sogar verdoppelt, europaweit ist Strom für Verbraucher nur in Dänemark noch kostspieliger als in Deutschland.

Hintergrund dieser Entwicklung war unter anderem die stetig gewachsene EEG-Umlage, aus der der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird. Hinzu kommen die Stromsteuer und steigende Gebühren. Am heftigsten schlug die Ökostromförderung Anfang 2013 ins Kontor. Damals verteuerte sich Strom von einem Jahr aufs andere um satte 12 Prozent.

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