Samstag, 24. September 2016

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Hamburger Windradbauer geht an Centerbridge Die nächste Chance für Senvion

In schwerer See: Offshore-Windkraftanlage von Senvion (ehemals Repower)
obs/REpower Systems
In schwerer See: Offshore-Windkraftanlage von Senvion (ehemals Repower)

Der krisenerprobte Hamburger Windradbauer Senvion - ehemals Repower -hat einen neuen Eigentümer: den US-Fonds Centerbridge. Der niedrige Kaufpreis zeigt: Für den indischen Alteigentümer Suzlon war das Engagement in Deutschland ein Verlustgeschäft.

Hamburg - Der indische Windenergiekonzern Suzlon verkauft seine deutsche Tochter Senvion an einen US-Investmentfonds und verschafft sich damit Luft im Überlebenskampf. Das Hamburger Unternehmen soll für eine Milliarde Euro noch vor Ende März an den Fonds Centerbridge gehen, wie Suzlon am Donnerstag in Pune mitteilte.

Sollten die Geschäfte gut laufen, erhielten die Inder weitere 50 Millionen Euro. Die Behörden haben dem Verkauf noch nicht zugestimmt.

Damit wechselt Senvion zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre den Besitzer. Suzlon-Chef Tulsi Tanti hatte den Hamburger Hersteller von Windturbinen 2007 nach einem aufsehenerregenden Übernahmekampf gegen die französische Areva -Gruppe für 1,3 Milliarden Euro übernommen und später die verbliebenen Aktionäre herausgekauft. Der Verkauf ist für Suzlon somit ein Verlustgeschäft. Zuletzt hatte es mehrere Personalwechsel bei dem Windradbauer gegeben.

Zieht sich aus Deutschland zurück: Der Gründer und Chef der indischen Suzlon-Gruppe Tulsi R. Tanti
Der indische Konzern steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Suzlon ist hoch verschuldet und konnte 2012 eine Anleihe über 209 Millionen US-Dollar nicht zurückzahlen. Seitdem kämpft das Unternehmen ums Überleben. Der Suzlon-Chef kündigte an, das Geld aus dem Senvion-Verkauf für die Schuldentilgung zu verwenden.

Suzlon gehört weltweit zu den Top Ten unter den Herstellern von Windkraftanlagen. Ganz vorn liegen Vestas (Dänemark), Enercon (Deutschland), Goldwind (China) und Siemens (Deutschland). Die Firmen sind sämtlich global aufgestellt und verkaufen einen großen Teil ihrer Anlagen im Ausland.

Senvion gehört zu den führenden deutschen Herstellern von Windkraftwerken und bietet sowohl Produkte für die Windenergie an Land (onshore) als auch auf See (offshore) an.

Umsatz sinkt, Gewinn steigt

Im Geschäftsjahr 2013/14 (zum 31.3.) erreichte Senvion einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, das entspricht einem Rückgang von 19 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich jedoch der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 26 Prozent auf 101 Millionen Euro.

Das Unternehmen mit rund 3400 Mitarbeitern ist damit profitabel. Weltweit sind mehr als 5300 Anlagen von Senvion mit einer Leistung von mehr als zehn Gigawatt installiert. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Senvion einen höheren Umsatz als im vergangenen.

Der Investor will nach den Worten einer Senvion-Sprecherin den Unternehmenssitz in Hamburg belassen und auch das Management nicht verändern. "Centerbridge ist von der Aufstellung von Senvion überzeugt; das ist eine Wachstumsstory", sagte eine Senvion-Sprecherin.

Eine Wette auf die weltweite Energiewende

Die US-Firma hofft offenbar, dass die Ökostrom-Branche die Krise hinter sich gelassen hat. "Das weltweite Marktumfeld für erneuerbare Energien ist vielversprechend für einen Windturbinen-Hersteller", sagte Centerbridges Managing Director, Stefan Kowski, gegenüber der Agentur Bloomberg.

Tatsächlich ist der Markt für Windmühlen zuletzt wieder in Schwung gekommen. Laut dem Branchendienst Bloomberg New Energy Finance (BNEF) wurden 2014 Anlagen mit einer Leistung von etwas unter 50 Gigawatt zugebaut. Im Jahr zuvor waren es lediglich 35 Gigawatt.

Auf Senvions Heimatmarkt Deutschland gab es laut BNEF mit 3,2 Gigawatt Zubau 2014 einen neuen Rekord. In wichtigen Märkten wie den USA erschweren wechselnde politische Rahmenbedingungen für Windenergie die Planung allerdings sehr.

Centerbridge ist auf den Kauf und die Sanierung angeschlagener Unternehmen spezialisiert. Im vergangenen Jahr kauften die US-Amerikaner unter anderem die deutsche Autowerkstatt-Kette ATU.

nis/dpa-afx

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