Mittwoch, 24. Oktober 2018

Weitere Stromnetzbetreiber wollen Öko-Versorger abklemmen Care Energy droht der Supergau

Stromanbieter im Feuer der Kritik: Die seltsame Welt von Care Energy
obs / mk-group Holding / Care-Energy

2. Teil: Verbraucherschützer fürchten, dass Stromkunden doppelt abkassiert werden

Care Energy will nach eigenen Angaben nicht zahlen, weil die Netzbetreiber zu hohe Forderungen stellten. Teilweise würden Kilowattstunden doppelt abgerechnet und die Abschläge ungerechtfertigt erhöht, sagte ein Sprecher der Hamburger Care-Energy-Holding. Die Versorger weisen die Vorwürfe zurück.

Derartige Streitigkeiten zwischen Care Energy und den Netzbreibern sind nicht neu, gleichwohl eskalieren sie jetzt. Im vergangenen Jahr verpflichtete das Landgericht Hamburg Care dazu, 82 Millionen Euro EEG-Umlage aus früheren Jahren an die Netzfirmen zu zahlen. Das Geld ist noch nicht geflossen, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Sollte Care Energy berechtigten Forderungen dauerhaft nicht nachkommen (können), droht die Summe auf alle Stromkunden umgelegt zu werden.

Immer wieder haben in der Vergangenheit auch Stadtwerke Care Energy zeitweise von ihrem Netz ausgeschlossen. Grund war auch dabei oft, dass das Unternehmen oder eine seiner Vorgängergesellschaften Zahlungsaufforderungen nicht nachgekommen war.

Die Hamburger Muttergesellschaft versucht nun ihre Kunden von der Münchener Tochter an ein nicht näher bezeichnetes Stadtwerkekonsortium weiterzuvermitteln. Auf diese Weise bliebe es den Kunden erspart, aufgrund der Kündigung durch die Netzbetreiber in den teuren Grundversorgungstarif zu rutschen. Verbraucherschützer befürchten jedoch, dass Stromkunden in solchen Fällen doppelt abkassiert werden könnten.

Wie viele Kunden Care Energy insgesamt betreut, ist nicht völlig klar. Früheren Angaben des Unternehmens zufolge dürfte die Zahl in die Hunderttausende gehen. Die Firma bot lange Strom zum Preis von unter 20 Cent die Kilowattstunde an. Viele Branchenkenner halten dies für nicht kostendeckend.

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