Dienstag, 28. Juni 2016

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Schock für RWE und Vattenfall Bundesnetzagentur streicht Braunkohle-Kraftwerke aus ihrer Planung

Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde (Brandenburg): Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass die Schlote bald nicht mehr rauchen

Die Braunkohle ist eines der letzten profitablen Geschäftsfelder von RWE und Vattenfall. Doch jetzt streicht die Bundesnetzagentur in ihren Planungen mal eben mehr als die Hälfte der Kraftwerke. Die Begründung ist vor allem für Vattenfall bitter.

Hamburg - Letzte Ausfahrt Schwarze Pumpe: Geht es nach der Bundesnetzagentur, ist der Ort in der Lausitz schon in wenigen Jahren eine Art Rückzugsgebiet für Braunkohlekraftwerke. In ihren aktuellen Planungen jedenfalls geht die Behörde davon aus, dass der Großteil der Stromfabriken bald geschlossen wird.

Das geht aus dem so genannten Szenariorahmen der Netzagentur hervor. Darin legt die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterstellte Behörde die Rahmenbedingungen für den weiteren Bau von Stromleitungen fest.

Und die sehen inzwischen vor, dass von den heute 21 Gigawatt Braunkohle-Kraftwerksleistung in zehn Jahren nur noch 10-14 Gigawatt übrig bleiben. Die Netzagentur erwartet, dass rund 30 Kraftwerke wegfallen. Mit anderen Worten: Ihre Funktion als Rückgrat der Stromversorgung wird die Braunkohle in den Augen der Behörde schneller verlieren, als bisher gedacht - und deshalb sind auch weniger Kabel nötig.

Netzagentur hält Kraftwerke für zu dreckig

Insbesondere die großen Netzbetreiber Tennet, 50 Hertz, Amprion und Transnet BW waren bis zuletzt davon ausgegangen, dass Braunkohlestrom noch lange dominiert. Sie unterstellten sogar, dass RWE und die ostdeutsche Mibrag neue Kraftwerke bauen. Doch daraus wird nichts, erwartet die Bundesnetzagentur.

Das schleichende Ende für die Braunkohle hat mindestens zwei Gründe, wie eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nahelegt. Zum einen sei der Bau neuer Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich. Seit Jahren sinkt der Strompreis an der Börse - wer wolle da schon Milliarden in neue Anlagen stecken?

Wichtiger noch: Erstmals hat die Bonner Behörde nun berücksichtigt, dass die Bundesregierung den deutschen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um jeden Preis um 40 Prozent senken will (im Vergleich zu 1990). Dazu hat sie im Herbst einen Aktionsplan angekündigt, nach dem die Stromerzeuger den Ausstoß des Klimagases massiv reduzieren sollen.

Da insbesondere die älteren Braunkohlekraftwerke extrem viel Kohlendioxid pro erzeugte Kilowattstunde Strom ausstoßen, würden diese eben als erste stillgelegt. Erfreulicherweise habe die Behörde "somit ihre Befugnisse genutzt, um die Netzentwicklung in Einklang mit gesetzlichen Regelungen und gesellschaftlichen Zielen der Energiewende zu bringen", schreiben die DIW-Autoren.

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