Freitag, 14. Dezember 2018

Eneva beantragt Gläubigerschutz Eon-Beteiligung in Brasilien am Ende

Eneva-Kohlekraftwerk Pecem in Brasilien: Ein Block gehört künftig den Portugiesen, der andere wird von Eon kontrolliert

Eons Beteiligung Eneva in Brasilien bereitet schon länger Probleme. Jetzt hat das Unternehmen Gläubigerschutz beantragt. Große Auswirkungen auf die Bilanz des deutschen Energiekonzerns soll das angeblich nicht haben.

Düsseldorf/Rio de Janeiro - Deutschlands größter Energiekonzern Eon muss bei einer wichtigen Beteiligung in Brasilien einen Rückschlag hinnehmen. Das börsennotierte Energieunternehmen Eneva hat Gläubigerschutz zur wirtschaftlichen Restrukturierung beantragt, teilte Eon in der Nacht zu Mittwoch mit.

Die Düsseldorfer (43 Prozent) und der Gründer Eike Batista (20 Prozent) kontrollieren die Gesellschaft, die 2012 bei Eons Einstieg in das damals MPX genannte Unternehmen noch als große Zukunftshoffnung präsentiert wurde, um die Probleme auf dem von der Energiewende betroffenen Heimatmarkt auszugleichen. Wegen des Zusammenbruchs von Batistas Firmenreich wurden die Pläne des Joint-Ventures seitdem erheblich reduziert, Eon musste Milliarden zusätzlich investieren.

Wegen der aktuellen Pleite rechne Eon Börsen-Chart zeigen aber nicht mit wesentlichen Auswirkungen auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie auf den nachhaltigen Konzernüberschuss für das Geschäftsjahr 2014.

Offenbar wurden zeitgleich mit dem Insolvenzantrag Schritte ergriffen, um das operative Geschäft zu retten. Die beiden Geschäftsführer seien zurückgetreten, teilte Eneva Börsen-Chart zeigen mit. Eon-Mann Frank Possmeier wechsle aber auf den Direktorenposten der Tochtergesellschaft Eon Brasil "und wird die Gesellschaft so weiter begleiten". Sein Kollege Fabio Bicudo kandidiere für die Leitung des Aufsichtsrats.

Ebenfalls am Dienstagabend meldete Eneva den Verkauf des Kohlekraftwerksblocks Pecem I an den portugiesischen Versorger EDP Börsen-Chart zeigen. Der Block Pecem II gehört Eon zu 50 Prozent direkt, ohne den Umweg über Eneva. Ohnehin seien die sieben inzwischen in Betrieb genommenen Kraftwerksblöcke von Eneva nicht Teil des eingeleiteten Verfahrens, hieß es.

Der entscheidende Grund für die Einleitung des Gläubigerverfahrens (Judicial Recovery) sei ein Liquiditätsengpass von Eneva aufgrund operativer Probleme, einer angespannten Marktsituation sowie hoher Schulden und Zinsen. Verhandlungen mit Gläubigern waren zuvor gescheitert. Bis November hatte noch ein Stillhalteabkommen mit den Banken gegolten, die bis dahin auf Zins und Tilgung für Schulden von 2,33 Milliarden Real (725 Millionen Euro) verzichteten. Die Mittel waren unter anderem zur Finanzierung eines frühzeitig gescheiterten Kraftwerks in Chile eingesetzt worden.

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