Montag, 26. September 2016

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Preisverfall BP-Chef warnt Ölindustrie vor historischer Krise

Warnt vor harten Zeiten: BP-Chef Bob Dudley

Die mächtige Ölindustrie bekommt das große Flattern: Angesichts des massiven Preisverfalls drohe der größte Absturz der Branche seit den 80er-Jahren, warnt BP-Chef Bob Dudley. Er spricht von einem "tosendem Sturm" - und nennt einen Schuldigen.

Hamburg - Es kommt in der Ölindustrie nicht oft vor, dass ein großer Förderkonzern einen Verlust ausweisen muss. Jetzt hat es den britischen Multi BP getroffen - im vergangenen Quartal betrug das Minus knapp eine Milliarde US-Dollar. Hauptgrund waren Abschreibungen auf Projekte in der Nordsee und Angola, die sich wegen des niedrigen Ölpreises nicht mehr so lohnen wie geplant.

Wohl auch deshalb wählte BP-Chef Bob Dudley laut Financial Times deutliche Worte, als er vor Journalisten über die Lage der Branche sprach. Ein "tosender Sturm" habe die Industrie erwischt, die Lage sei zuletzt in den 80er-Jahren so ernst gewesen.

Tatsächlich haben in den vergangenen Wochen alle bedeutenden Konzerne wie Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, Chevron Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigen und eben BP die bitteren Folgen des Preisverfalls zu spüren bekommen. Gewinneinbrüche (fast) allerorten, niedrigere Investitionen, Arbeitsplatzabbau. BP legt seinen Mitarbeitern zudem eine Nullrunde auf - eine neue Erfahrung für die meisten von ihnen.

Der Schuldige steht für Dudley fest: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Aus zahlreichen Gesprächen mit Opec-Vertretern habe er erfahren, dass die Organisation den Ölpreisverfall gezielt anheizt.

Indem die Opec-Staaten immer mehr Öl zu immer niedrigeren Preise in den Markt drückten, solle die Konkurrenz aus den USA und Kanada zurückgedrängt werden, die auf neue Technik wie Fracking setzt und mit hohem Aufwand Öl aus Teersanden fördert.

Diese Theorie ist seit Beginn des Preisverfalls im vergangenen Spätsommer in Umlauf. Manche Branchenbeobachter halten sie für übertrieben und verweisen darauf, dass nicht nur die Opec, sondern vor allem anderen Produzenten wie eben die USA und Kanada ihr Angebot kontinuierlich ausgeweitet hätten, wodurch der Ölpreis schließlich abstürzte.

Tiefe Verunsicherung in der Branche

Zuletzt hat der sinkende Ölpreis bereits dazu geführt, dass in den USA viel weniger nach Öl gebohrt wird als vor einem Jahr. Aus diesem Grund rechnen Marktteilnehmer bereits mit einem fallenden Angebot aus Nordamerika in den nächsten Monaten. Deshalb hatte sich Öl in den vergangenen Tagen wieder etwas verteuert.

Einige Topmanager der Branche rechnen sogar mit einer veritablen Ölknappheit in wenigen Jahren, weil die Produktionsfirmen derzeit große Förderprojekte auf Eis legen. So hatte Claudio Descalzi, Chef des italienischen Konzerns Eni Börsen-Chart zeigen vor einem Ölpreis von 200 Dollar gewarnt.

Die auseinanderklaffenden Aussagen sagen viel über den tatsächlichen Zustand der Ölbranche aus: Viele Protagonisten scheinen derzeit vor allem tief verunsichert zu sein.

Lesen Sie auch, warum der Ölpreisverfall das erste Zeichen für das Ende des Ölzeitalters sein könnte.

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