Samstag, 21. Oktober 2017

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Boeing kauft Drohnenhersteller Aurora - Uber und Pentagon spielen mit Die Revolution des zivilen Luftverkehrs

LightningStrike VTOL X-Plane / Aurora Flight Sciences
Aurora Flight Sciences
LightningStrike VTOL X-Plane / Aurora Flight Sciences

Der US-Luftfahrtriese Boeing übernimmt den Drohnen- und Roboter-Flugzeugbauer Aurora. Er profitiert von der Expertise im Wandel zu Autonomie und Elektrotechnik. Doch es sind noch weitere mächtige Spieler beteiligt.

Es ist ein waghalsiger Gedanke, der Bauchschmerzen bereiten kann: Taxis in Form von übergroßen Drohnen, die mit Propellern über Köpfe und durch die Lüfte schweben - schnell, leise, sauber und günstig.

Die Tücken der Physik und Fragen nach der Sicherheit stehen der Idee zwar aktuell noch im Weg. Das Potenzial bleibt bisweilen aber nicht unerkannt. Der US-Luftfahrtriese Boeing Börsen-Chart zeigen verkündete am Donnerstag den Zukauf des Drohnen- und Roboter-Flugzeugbauers Aurora Flight Sciences. Trifft der weltgrößte Hersteller ziviler und militärischer Flugzeuge und Hubschrauber also Vorkehrungen für die Revolution des zivilen Luftverkehrs?

Das Konzept des fliegenden Taxis verfolgen Entwickler auf der ganzen Welt: Im Silicon Valley, wo Googele-Chef Larry Page schon seit 2010 rund 100 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche in die Firma Zee Aero gesteckt hat, in der Slowakei, wo die Firma Aeromobil fortschrittlich an fliegenden Autos arbeitet oder in China, wo das Unternehmen Ehang schon Anfang 2016 das erste elektrische autonome Flugzeug mit Passagierraum vorstellte.

"Wir wollen Spitzenreiter sein"

Mit der Übernahme von Aurora setzt Boeing auf die Entwicklung zur smarten Variante des Fliegens, die mit Computer-Algorithmen und künstlicher Intelligenz im Cockpit arbeiten soll. Aurora ist ein Vorreiter in der Entwicklung von autonomen Fliegern und entwickelte bereits roboterartige Co-Piloten und eine Software, die Landestreifen wahrnehmen kann.

"Wir können die Zukunft nicht vorhersehen. Aber egal welche Form der zivile Verkehr in der Luft annimmt, wir wollen die Spitzenreiter sein", sagte Greg Hyslop, Boeings Chief Technology Officer, in einer Internetübertragung am Donnerstag nach Bekanntgabe der Übernahme.

Einzelheiten und Bedingungen des Arrangements wurden nicht behandelt. Hyslop äußerte sich zudem nicht zur Frage, ob die Übernahme noch in diesem Jahr stattfinden solle. Vor allem müsse das Verteidigungsministerium die Übertragung bestimmter Spitzen-Technologien überprüfen.

Die Alternative zum Piloten

Seit der Gründung 1989 hat Aurora mehr als 30 unbemannte Luftfahrzeuge gestaltet, produziert und getestet. Die Technologie, die die Fahrzeuge steuert, zeichnet sich durch besondere Wahrnehmung der Umwelt und maschinelles Lernen aus. Der "Centaur", eine computerbasierte Option zum Piloten, und ein Roboter-Co-Pilot flogen bereits eine Boeing 737 im Simulator.

Im April flog das Unternehmen erfolgreich einen vertikal startenden und landenden Prototyp, der als Luft-Taxi eingesetzt werden soll. Bis 2020 will Aurora 50 dieser Modelle an Uber Elevate liefern. Der Vermittlungsdienst zur Personenbeförderung plant seit geraumer Zeit einen Fahrdienst für fliegende Autos. Zu den bisherigen Partnern zählen unter anderem die Flugzeugbauer Textron und Embraer.

Autonomie müsse für den Erfolg der Technologie eine entscheidende Rolle haben, sagte Aurora-Chef John Lanford. Ganze Flotten von Luft-Taxis und Drohnen dürften nur über ein einziges Kontrollzentrum gesteuert werden.

"Kraftpaket"

Bis zum Zeitpunkt von Boeings Anfrage vor wenigen Monaten, habe Aurora nicht über einen Verkauf nachgedacht, erzählte Langford laut der Nachrichten Agentur Bloomberg während einer Pressekonferenz.

"Wir dachten, dass das wirklich ein Kraftpaket werden könnte", fuhr er fort.

Beide Unternehmen haben schon in einer Vielzahl an Projekten zusammengearbeitet. Boeing weitet schon länger sein Wissen im Bereich der Flug-Autonomie aus, nachdem sich eine Pilotenknappheit breit macht. Aurora könnte dem Flugzeug-Giganten damit unter die Arme greifen. Die künstliche Intelligenz, an der Aurora arbeitet, könnte es einzelnen Piloten ermöglichen, Langstreckenflüge ganz allein zu bestreiten - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur kompletten Flugautonomie.

Wegbereiter ist Aurora auch in Sachen Elektroantrieb - ein weiteres interessantes Gebiet für Boeing im Rahmen der schleunigen Entwicklung auf dem Automarkt. Weshalb das Unternehmen da auch schon länger die Finger im Spiel hat und in Zunum Aero, ein in Washington sitzendes Hybrid-Luftfahrunternehmen, investierte.

Mit Honeywell International und Rolls-Roye Holdings entwickelt Aurora zudem ein Hybrid-Flugzeug für das amerikanische Verteidigungsministerium. Es ist mit 24 Mantelpropellern ausgestattet, die das Flugzeug schweben und vertikal auf- und absteigen lassen sollen.

Bei Abschluss der Übernahme wird Aurora zur Tochtergesellschaft von Boeings Ingenieurs, Test- und Technologieabteilung. Es wird als "unabhängiger Betrieb" weitergeführt werden, sagte Boeing.

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