Sonntag, 20. August 2017

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Rosneft ordnet deutschen Raffineriemarkt neu Deutsches Benzin kommt künftig häufiger von Putin

Raffinerie Schwedt (Oder): Rosneft wird Mehrheitsgesellschafter am Ende der Druschba-Pipeline

Der russische Ölriese Rosneft ist ab Januar 2017 direkt an den Raffinerien Bayernoil, PCK Schwedt und Miro Karlsruhe beteiligt - der Raffineriestandort Gelsenkirchen dagegen wird zu 100 Prozent beim britischen Konzern BP liegen. Grund ist die Auflösung der Ruhr Oel Joint Ventures zwischen Rosneft und BP, die zum 1. Januar 2017 abgeschlossen wird, wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Dieses Gemeinschaftsunternehmen bestand seit 2011.

Mit der direkten Beteiligung an den drei Raffinerien in Bayern, Brandenburg und Baden-Württemberg kontrolliere Rosneft Börsen-Chart zeigen künftig 12 Prozent der Kapazitäten in Deutschland, teilte der staatlich kontrollierte russische Konzern mit.

Rosneft Deutschland werde damit zum drittgrößten Unternehmen auf diesem Markt in der Bundesrepublik. Dies zeige die Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich der Energie zwischen Europa und Russland auf Basis der Öllieferungen über die Pipeline "Druschba" (Freundschaft). Sie liefert seit den 60er Jahren russisches Öl nach Europa. Der nördliche Zweig läuft über Weißrussland, der südliche über die Ukraine.

Konkret werde Rosneft seinen Anteil an der zweitgrößten deutschen Erdölraffinerie, Miro in Karlsruhe, von 12 auf 24 Prozent verdoppeln, ebenso den Anteil an Bayernoil nahe Ingolstadt auf 25 Prozent. Der Anteil an PCK im brandenburgischen Schwedt werde von 35 auf 54 Prozent steigen. Deutschland sei einer der "vielversprechendsten Märkte in Europa für Mineralölprodukte".

Rosneft sammelt Kapital im Westen ein, die Mehrheit bleibt beim Staat

Westliche Ölkonzerne ziehen sich seit Jahren vom deutschen Raffineriemarkt zurück, der lange unter Überkapazitäten und niedrigen Margen litt. Shell Börsen-Chart zeigen bleibt noch als Betreiber der größten Anlage in Köln, und Total Börsen-Chart zeigen mit der viertgrößten Raffinerie in Leuna. In der zweiten Reihe machen sich Investoren wie die Rohstoffhändler Vitol und Gunvor, US-Risikoinvestor Gary Klesch oder die zum libyschen Staat gehörende Tamoil breit.

Die Ruhr Oel GmbH wurde 1983 als Joint Venture zwischen der Veba Oel AG und dem Ölkonzern PDVSA aus Venezuela gegründet. BP übernahm Veba 2002. 2011 verkaufte PDVSA die Anteile an Rosneft. Von Zusammenarbeit war in dem 50:50-Unternehmen wenig zu spüren. Als manager-magazin.de 2014 wegen einer Lieferung irakisch-kurdischen Öls an Ruhr Oel recherchierte, erklärte ein BP-Sprecher, man wisse nicht, was die russische Seite in Gelsenkirchen tue. Die wiederum war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

BP ist zwar mit fast 20 Prozent an Rosneft beteiligt, hat aber eine eher schwierige gemeinsame Geschichte. Nach langjährigem Streit mit russischen Oligarchen traten die Briten 2013 ihr Russland-Investment an Rosneft ab, zugleich wurde ihr eine Partnerschaft zu Ölbohrungen in der russischen Arktis gerichtlich untersagt. Die übernahm stattdessen Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, dessen Chef Rex Tillerson als künftiger US-Außenminister nominiert ist.

Der russische Konzern verkündete jüngst eine Kapitalbeteiligung des Emirats Katar und des in der Schweiz angesiedelten globalen Rohstoffhändlers Glencore. Es ist die größte Privatisierung in der russischen Geschichte. Die Mehrheit der Anteile soll dennoch beim Staat bleiben.

ak/afp

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