Dienstag, 27. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Selbstversorger-Trend Wie Familie Schmitt Deutschlands größten Stromkonzern zerschlug

Blockheizkraftwerk, Solaranlage, Batterie: Wie das Selbstversorger-System funktioniert
Fotos
Horst Schmitt

Eine Familie aus der Eifel tut, was Versorger lange für unmöglich gehalten haben: Sie erzeugt ihren Strom überwiegend selbst. Nicht, weil sie so der Umwelt helfen will, sondern weil es sich plötzlich rechnet - dank einer billigen Batterie. Die Folgen für Eon, RWE und Co. sind dramatisch.

Horst Schmitt sagt, er sei jetzt glücklich. Und um zu zeigen, weshalb das so ist, steigt er die Kellertreppe seines Einfamilienhauses in der Eifel hinab. "Hier hat sich zuletzt einiges verändert", sagt er mit leicht rheinischem Akzent, grinst, und zeigt in einen drei mal drei Meter kleinen Raum.

Früher stand hier eine rußverschmierte Ölheizung, doch jetzt ist alles neu und weiß: Die Wand frisch gestrichen, und ringsum all die blitzblanken Geräte: Ein brummendes Blockheizkraftwerk, so groß wie ein Rollkoffer. Ein kleiner Wechselrichter der Solaranlage. Ein Warmwasserspeicher, der bis zur Decke reicht. Ein Heizungs-Steuerpult mit Digitalbildschirm.

Und dann hängt da noch der Batteriekasten an der Wand - er ist nicht viel größer als die Spitzenlast-Gastherme schräg gegenüber. Darauf steht in großen Ziffern die Zahl, die dem Hausherren wichtig ist: 87, genauer: 87 Prozent. Es ist der Anteil, zu dem sich die Schmitts dank ihrer persönlichen Technik-Offensive nun selbst mit Elektrizität versorgen.

"Wer seinen Strom selbst erzeugt, wird nicht mehr so ausgebeutet"

"Es geht für mich um Souveränität", sagt Schmitt, ein stämmiger Mann aus der Bauwirtschaft mit grauem Schnauzer. "Wer seinen Strom selbst erzeugt, wird nicht mehr so ausgebeutet." Deshalb hat er etwa 31.000 Euro in sein neues Heizungs- und Stromsystem investiert. Es verspricht ihm auf lange Sicht deutlich niedrigere Energiekosten sowie maximale Selbstversorgung.

Danach strebt in Deutschland eine stark wachsende Zahl von Stromkunden - sehr zum Leidwesen von Versorgern wie Eon Börsen-Chart zeigen, RWE Börsen-Chart zeigen, Vattenfall und EnBW Börsen-Chart zeigen. Lange Zeit gebeutelt von hohen Energiepreisen, nehmen Privathaushalte und kleine Unternehmen ihre Versorgung in die eigenen Hände. Gleichzeitig locken sinkende Preise für Solaranlagen, Batterien und kleine Blockheizkraftwerke.

Schon jetzt sendet der Trend Schockwellen durch die Energiewirtschaft. Als Eon-Chef Johannes Teyssen jüngst die Aufspaltung seines Konzerns verkündete, nannte er ausdrücklich den Selbsversorgungsdrang der Kunden als bedeutende Ursachen für die Krise von Eons klassischem Geschäftsmodell mit Großkraftwerken. Die im Konzern verbleibenden Einheiten sollen wiederum von genau diesem Trend profitieren.

Zunehmend setzen nicht mehr nur Industrie- und Gewerbebetriebe auf Eigenstrom. Auch Häuslebauer erzeugen und verbrauchen ihre Elektrizität selbst. Das ist immer häufiger günstiger, als ihn aus dem Netz zu kaufen. Hausbatterien, die sich derzeit deutlich verbilligen, maximieren die Ausbeute.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH