Donnerstag, 18. Oktober 2018

Selbstversorger-Trend Wie Familie Schmitt Deutschlands größten Stromkonzern zerschlug

Blockheizkraftwerk, Solaranlage, Batterie: Wie ein Selbstversorger-System funktioniert
Horst Schmitt

2. Teil: Es droht nicht weniger als ein Dammbruch für die Versorger

Besonders bedrohlich für die Energiekonzerne: Eine Einspeisevergütung oder andere Subventionen sind für dieses Vorgehen immer unwichtiger, so dass sich der Trend bald verselbstständigen könnte.

"Früher war Eigenstromversorgung im Haushaltsbereich eine Art Lifestyle-Thema", sagt Energieexpertin Shaghayegh Smousavi, Partnerin bei der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle. "Inzwischen gibt es einen stärkeren wirtschaftlichen Anreiz."

Zwar macht die selbstgenutzte Elektrizität aus eigenen Solaranlagen und kleinen Blockheizkraftwerken bisher nur etwa 0,6 Prozent an der gesamten in Deutschland verbrauchten Strommenge aus. Doch schon in ihren konservativen Szenarien rechnen die Netzbetreiber mit einem Wachstum im deutlich zweistelligen Prozentbereich allein im Solarbereich.

Für 2015 erwarten Experten bereits mehr als 12.000 neue Speicher

Kaum Widerhall in diesen Annahmen findet allerdings die potenziell explosive Wirkung billiger Batterien für den Strommarkt. Experten zufolge ist momentan der Punkt erreicht, an dem ihr Einsatz in vielen Fällen wirtschaftlich wird. Der Preis des Batteriemodels der Schmitts hat sich binnen Jahresfrist auf knapp 6000 Euro halbiert. Angesichts eines solchen Preisverfalls droht nicht weniger als ein Dammbruch für die Versorger.

"Der Markt für Speicher ist ordentlich in Bewegung", sagt Daniel Pohl vom Bonner Analysehaus EuPD. Lag die Zahl der installierten Anlagen 2013 bei bundesweit etwa 5000, stieg sie 2014 auf 8400. Fast die Hälfte davon kam ohne die von der staatlichen KFW-Bank gewährten, aufwendig zu beantragenden Subventionen aus. Für 2015 erwartet EuPD bereits mehr als 12.000, für 2016 gut 18.000 neue Speicher.

Meist kombinieren Hausbesitzer und Kleinunternehmen eine Solaranlage mit einer Batterie. Zunehmend kommen auch kleine Blockheizkraftwerke mit dazu - wie bei den Schmitts in Kelberg.

Was der Einbau eines solchen Speichers für die klassischen Stromkonzerne bedeutet, zeigt Horst Schmitt anhand einiger Grafiken auf seinem Laptop. Bis vor kurzem lieferte sein Versorger ihm jährlich etwa 7500 Kilowattstunden. Der monatliche Abschlag betrug 160 Euro. Künftig - so lässt es sich nach einem Monat Betrieb hochrechnen - braucht Schmitt nur noch gut 500-700 Kilowattstunden im Jahr von außen. Der Abschlag sinkt auf etwa 20 Euro.

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