Donnerstag, 23. November 2017

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Toshiba-Aktienkurs bricht drei Tage in Folge ein Atomkraft-Debakel bringt Toshiba an den Rand der Pleite

Teures Abenteuer: US-Kernkraftwerk Vogtle in Georgia mit Westinghouse-Reaktoren und Dauerbaustelle

Der japanische Elektronikkonzern Toshiba ist nach seiner milliardenschweren Gewinnwarnung an der Börse weiter abgestürzt. Am Donnerstag brach der Aktienkurs um 17 Prozent ein. Es war der dritte Tag mit einem zweistelligen Verlust in Folge; insgesamt büßte der Konzern seit Dienstag mehr als 40 Prozent seines Börsenwertes ein. Grund für die Gewinnwarnung sind milliardenschwere Abschreibungen auf Geschäfte in den USA.

Konkret geht es um den Kauf des Bauunternehmens CB&I Stone & Webster durch Toshibas US-Tochter Westinghouse im vergangenen Jahr. Stone & Webster baut Atomkraftwerke und kümmert sich auch um den Akw-Rückbau.

Westinghouse streitet sich mit dem zugekauften Unternehmen über dessen Bewertung - unter anderem wegen der wachsenden Probleme, bereits in Bau befindliche Kraftwerke fertigzustellen. Auf das 2006 gekaufte Unternehmen Westinghouse selbst hatte Toshiba Börsen-Chart zeigen bereits Anfang des Jahres 2,3 Milliarden Dollar abgeschrieben. Neben Westinghouse lassen sich nur noch wenige Unternehmen weltweit auf das Abenteuer Akw-Bau ein.

Wie hoch genau die neuerliche Abschreibung ausfallen wird, ist laut Toshiba noch unklar. Der Konzern deutete an, dass die Summe bis Jahresende genannt werden könnte. In japanischen Medienberichten war von bis zu 500 Milliarden Yen (4,1 Milliarden Euro) die Rede. Der Konzern mochte nicht ausschließen, dass die Belastung das Eigenkapital aufzehren werde. Das belief sich per Ende September auf nur 363 Milliarden Yen.

Profitables Geschäft mit Flash-Speichern im Ausverkauf?

Aus Sorge vor einer drohenden Umschuldung sinken auch die Aktienkurse der japanischen Gläubigerbanken wie Sumitomo Mitsui Börsen-Chart zeigen. Aus Tokioter Bankenkreisen hieß es, einige Banker seien bereits auf Fabrikbesichtigung gegangen, um nach verwertbaren Vermögensgegenständen zu suchen. Das Topmanagement um Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa, der sich bereits öffentlich demütig verbeugte, habe um Hilfe gerufen.

Als Alternative zur Umwandlung von Anleihen in Aktien spekulierten die Quellen über einen Börsengang des profitablen und wachsenden Kerngeschäfts mit der Flash-Speicher-Marke Nand.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte die Kreditwürdigkeit von Toshiba am Mittwoch um eine Note auf B- herab. Auch der Ausblick von S&P ist negativ. Damit droht in naher Zukunft eine weitere Herabstufung. Moody's senkte die Bonitätsnote von B3 auf Caa1. Die Solvenz des Konzerns hänge vom Wohlwollen der Banken ab.

Toshiba ist bereits seit dem vergangenen Jahr in Turbulenzen. Im Sommer 2015 war bekannt geworden, dass der Konzern seine Bilanzen zwischen 2008 und 2014 um umgerechnet 1,13 Milliarden Euro geschönt hatte. Inzwischen wurde ein großangelegter Konzernumbau eingeleitet; unter anderem trennte sich Toshiba von einem Großteil der Verbraucherelektronik mit Fernsehern und PCs. Rund 10.000 Stellen wurden gestrichen. Anfang 2016 ging zudem die Medizintechnik für 6 Milliarden Dollar an Canon Börsen-Chart zeigen.

ak/AFP/reuters

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