Mittwoch, 19. Dezember 2018

RWE und Eon mit Rücken zur Wand Akw-Betreiber dementieren Bericht zu Atomrücklagen

Abgrundtief verrechnet? Die Energiekonzerne würde die offen ausgetragene Diskussion um das Volumen der Atomrückstellungen am liebsten wohl im Abklingbecken versenken. Die Aktien von RWE und Co geben am Dienstag kräftig nach
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Abgrundtief verrechnet? Die Energiekonzerne würde die offen ausgetragene Diskussion um das Volumen der Atomrückstellungen am liebsten wohl im Abklingbecken versenken. Die Aktien von RWE und Co geben am Dienstag kräftig nach

Noch vor dem Abschluss der Untersuchungen über die Atomrückstellungen ist ein Streit über die Bewertung entbrannt. "Ein Ergebnis des Stresstests gibt es noch nicht, lediglich einen Entwurf", erklärte der Energiekonzern Eon. "Unsere Rückstellungen sind sachgerecht, richtig und angemessen bilanziert."

Zuvor hatte "Spiegel Online" ohne Angabe von Quellen berichtet, den vier großen deutschen Versorgern fehlten Rückstellungen von bis zu 30 Milliarden Euro. Das sei das bisherige Ergebnis eines Gutachtens, das eine vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellt habe. Zweifel daran, ob die Rückstellungen ausreichten oder sachgemäß bilanziert sind, hatte bereits ein "Handelsblatt"-Bericht am vergangenen Freitag genährt.

An der Börse warfen Anleger die Aktien der Versorger am Dienstag in hohem Bogen aus ihren Depots. Eon und RWE Börsen-Chart zeigen verloren jeweils rund 7 Prozent und waren damit mit Abstand die schwächsten Werte im deutschen Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen.

Laut Spiegel Online sei der gewaltige Fehlbetrag vor allem darauf zurückzuführen, dass die Atomkonzerne bei ihren Rückstellungen mit positiven Zinserträgen rechnen. In den Büchern seien sie teilweise mit bis zu 4,7 Prozent bewertet. Auch der von den Konzernen angesetzte Realzins sei positiv.

Ergebnisse des Stresstests soll erst im Herbst vorliegen

Vom Bundeswirtschaftsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten. Die Regierung hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton mit einem Stresstest beauftragt. Die Experten sollen prüfen, ob die Rückstellungen der vier Atomkonzerne Eon , RWE Börsen-Chart zeigen, EnBW und Vattenfall Börsen-Chart zeigen in Höhe von gut 38 Milliarden Euro ausreichend sind, um den Abriss der Meiler und die Müllentsorgung zu finanzieren. Warth & Klein wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Die Wirtschaftsprüfer hatten eine Vorlage des Berichts bis zum Herbst angekündigt. Kritiker werfen den Energiekonzernen vor, nur unzureichend Vorsorge getroffen zu haben. Die zum großen Teil in laufenden Geschäften gebundenen Mittel seien zudem im Fall einer Pleite der Konzerne nicht sicher. Eon hat Rückstellungen in Höhe von 16,6 Milliarden Euro gebildet, RWE von 10,4 Milliarden. Die "Rheinische Post" berichtete unter Berufung auf "Berliner Kreise", das dem Stresstest zufolge Eon neun bis zwölf Milliarden Euro fehlten, RWE 7,5 bis zehn Milliarden Euro.

Rechnen Konzerne bei den Rückstellungen mit viel zu hohem Zinsen?

"Der Entwurf enthält offenbar ein Szenario, bei dem mit einem negativen Realzins gerechnet wird und das so zu einer nicht realistischen Rückstellungssumme kommt", erklärte Eon. Eine solche Annahme habe keinerlei Grundlage und sei nicht einmal vor dem Hintergrund des aktuellen Niedrigzinsniveaus plausibel.

"In anderen europäischen Ländern werden Realzinsen von mehr als 2 Prozent bei den Kernenergie-Rückstellungen zu Grunde gelegt. Das bei Eon angesetzte Zinsniveau von real einem Prozent sei "sehr konservativ". Die Analysten von Bernstein erklärten ebenfalls, dass in dem Bericht offenbar der extremste Fall angenommen wurde. Dieser sei aus makro-ökonomischer Sicht unhaltbar.

RWE bekräftigte ebenfalls, dass die Rückstellungen ausreichend seien und der Stresstest dies auch bestätigen werde. Auch EnBW betonte, genügend Vorsorge getroffen zu haben. "Wir gehen davon aus, dass die Rückstellungen ausreichend sind", sagte ein EnBW-Sprecher. Diese seien auch in der Vergangenheit, wenn notwendig, erhöht worden. Von Vattenfall war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

rei/reuters

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