Donnerstag, 17. Januar 2019

Spiesshofers Befreiungsschlag ABB verkauft Stromnetzsparte an Hitachi - Cevian am Ziel

ABB-Logo in Zürich: Bei den Gesprächen mit Hitachi geht es um eine Transaktion im Wert von sieben Milliarden Dollar

Der Schweizer Industriekonzern ABB Börsen-Chart zeigen stößt seine zweitgrößte Sparte an den japanische Mischkonzern Hitachi Börsen-Chart zeigen ab. Hitachi übernehme in einem ersten Schritt etwas mehr als 80 Prozent der Stromnetzsparte von ABB und zahle dafür umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro, wie ABB am Montag mitteilte. Die beiden Unternehmen hatten bereits in der vergangenen Woche Gespräche über eine mögliche Übernahme bestätigt.

ABB behält vorerst 19,9 Prozent an der herausgelösten Stromnetzsparte, besitzt aber eine Option zum Verkauf dieses Anteils nach drei Jahren. Der Preis für den Verkauf des Restanteil soll zu einem fairen Marktwert erfolgen, jedoch mindestens 90 Prozent des vereinbarten Unternehmenswerts ausmachen. Der Abschluss der Transaktion ist für die erste Hälfte des Jahres 2020 geplant. Für die Stromnetzsparte von ABB arbeiten 36.000 Menschen in 100 Ländern.

Mit dem Verkauf hoffen die Schweizer auf neuen Schub. "Die heutige Ankündigung öffnet ein neues Kapitel in der Geschichte von ABB", erklärte Verwaltungsratspräsident Peter Voser. Der Konzern wolle eine wettbewerbsfähige Rendite für die Aktionäre liefern. Die ABB-Aktien Börsen-Chart zeigen notierten kurz nach Handelsbeginn rund 4 Prozent im Plus bei 18,20 Euro.

Für Hitachi wäre die geplante Übernahme in Höhe von 714 Milliarden Yen die größte in der Unternehmensgeschichte. Der japanische Konzern ist vor allem bekannt für Fernseher und Elektrogeräte, beliefert aber auch Unternehmen in diversen Branchen - Anlagenbau, Fahrzeuge, Batterien oder medizinische Geräte.

Erlös soll an die Aktionäre ausgeschüttet werden

Mit dem Teilverkauf der Sparte erweitern die beiden Unternehmen ihre bereits seit 2014 bestehende Partnerschaft. ABB sieht durch den Deal den mit der Transformation der Sparte geschaffenen Wert realisiert. Mit der vorerst einbehaltenen Beteiligung von knapp 20 Prozent soll der Übergang sichergestellt werden.

ABB will 100 Prozent des erwarteten Erlöses aus dem Verkauf "zügig und effizient" durch Aktienrückkäufe oder einen vergleichbaren Mechanismus an die Aktionäre ausschütten. Die bisherige Dividendenpolitik soll beibehalten werden, ebenso das Kreditrating auf dem Niveau "Single A". Die Loslösung der Sparte von ABB führt zu nicht operativen Restrukturierungskosten von rund 500 Millionen US-Dollar, dafür verspricht sich das Unternehmen 500 Millionen jährliche Einsparungen durch eine höhere Effizienz.

ABB-Chef Spiesshofer gibt mit dem Verkauf Druck von Cevian nach

Mit dem größten Bereichsverkauf in der Unternehmensgeschichte setzt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer zu einem Befreiungsschlag an. Der aktivistische Investor Cevian fordert bereits seit Jahren, dass sich der Konzern von der am wenigsten rentablen Sparte mit einem Jahresumsatz von rund zehn Milliarden Dollar trennt. Angesichts der unbefriedigenden Aktienkursentwicklung in seiner Amtszeit musste sich Spiesshofer, der sowohl die schweizerische wie auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, zuletzt viel Kritik anhören.

Zwar hat Spiesshofer die Kosten gedrückt, den Konzern neu organisiert und Lücken im Angebot gestopft. Doch beim Umsatz kommt ABB nicht richtig vom Fleck. Und der Kurs der ABB-Aktie ist seit dem Amtsantritt des früheren Unternehmensberaters im September 2013 um rund 3 Prozent gesunken, während der europäische Industriesektor insgesamt wie auch der deutsche Rivale Siemens Börsen-Chart zeigen an Wert gewonnen haben.

Cevian, der zusammen mit dem US-Hedgefonds Elliott kürzlich bereits die Aufspaltung des deutschen Traditionskonzerns Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen erzwungen hatte, trommelt bereits seit Jahren für die Zerschlagung von ABB. "Es ist fast zwei Jahre her seit der unvorteilhaften Entscheidung (Power Grids zu behalten) und der Aktienkurs hat sich kläglich entwickelt", hatte Co-Chef Christer Gardell im August in einem Zeitungs-Interview gesagt. Cevian hält rund 5 Prozent und ist damit nach der schwedischen Familie Wallenberg der größte ABB-Eigentümer.

Angesichts der geplanten Abspaltung der Stromnetzsparte und des Umbaus des Konzerns zeigt sich Cevian nun zufrieden. "Die angekündigten Maßnahmen sind die richtigen Schritte in der Entwicklung von ABB, sie stärken die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft", erklärte Cevian-Co-Gründer Lars Förberg. "Wir unterstützen die von Verwaltungsrat und Management eingeschlagene strategische Richtung voll und ganz."

ABB kündigt strategische Neuaufstellung an

Um Cevian weiter zu beruhigen, kündigte ABB heute ebenfalls eine strategische Neuaufstellung an. ABB will die Struktur des Konzerns vereinfachen. Sie wird allerdings wie bisher vier Geschäftsbereiche enthalten, nämlich Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik und Fertigungsautomation sowie Antriebstechnik. Alle kundenbezogenen Aktivitäten und Aufgaben auf lokaler Ebene würden künftig von diesen Geschäftsbereichen geleitet, welche gleichzeitig auf Länderebene gestärkt werden sollen, hieß es dazu. Die bestehenden Regional- und Länderstrukturen sollen indes aufgelöst werden.

Die Aktivitäten des Konzerns konzentrieren sich laut den Angaben künftig auf die Gruppenstrategie, das Portfolio- und Performance-Management, die Kapitalallokation, die Kerntechnologien sowie die Plattform "Ability". ABB war 1988 aus der Fusion der schwedischen Asea und der schweizerischen BBC entstanden, Sitz des Konzerns ist Zürich.

mg/dpa-afx, AFP, rtr

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung