Donnerstag, 28. Juli 2016

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Amerikanische Energiewende US-Solarboom lässt Energieriesen zittern

Parkhaus in Las Vegas: Solarenergie spielt im US-Energiemix derzeit kaum eine Rolle. Doch das könnte sich rasch ändern - die großen US-Versorger sind alarmiert

Die USA starten eine eigene Energiewende. Außer Erdgas gewinnen dabei die erneuerbaren Energien rasant an Bedeutung - das Vorbild ist Deutschland. Der beginnende Solarboom setzt etablierten US-Versorgern derart zu, dass sie fürchten, bald überrollt zu werden.

Vancouver - Der Webauftritt der US-Stadt Boulder in Colorado erinnert an ein Schweizer Idyll: Das große Foto auf der Homepage der Kommune mit 102.000 Einwohnern zeigt saftige Wiesen, sanfte Berge und Weizenfelder. Boulder gilt in den USA als "grüne" Stadt.

Im Rahmen des Solar-Grant-Programms können sich Geringverdiener im laufenden Jahr um einen Zuschuss für frisch installierte Solaranlagen auf Wohnhäusern bewerben. Und im Rahmen des Solar-Benefit-Programms können alle privaten Haushalte bis zum 15. November eine Rückerstattung von 20 Prozent auf den Kaufpreis ihrer Panels beantragen.

Damit bleibt Boulder jedoch noch weit hinter dem finanziellen Anreiz zurück, den das deutsche Einspeisegesetz Hauseigentümern anbietet. Auch zeitlich hinkt die Stadt viele Jahre hinterher.

Dennoch gilt Boulder als ein kommunaler Musterknabe in der rasant wachsenden amerikanischen Solarlandschaft. Die Stadt hat von der US-Umweltbehörde im Frühjahr einen der begehrten "Climate Leadership Awards" für Umweltfreundlichkeit erhalten und sich als Pionier in grüner Stadtplanung einen Namen gemacht, als sie einen 14.000 Quadratmeter großen "Solar-Garten" einweihte. Er soll schon 2013 rund 800.000 kWh Strom produzieren. Boulder will binnen 15 Jahren den Ausstoß von Klimagasen um 92 Prozent reduzieren.

Solarenergie erzeugt erst 0,2 Prozent des Stromangebots in den USA

Ehrgeizige Programme wie dieses werden jetzt auch in den USA immer häufiger in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Doch Solarenergie steuert in dem Land erst 0,2 Prozent zur Stromerzeugung bei, doch der Anteil wächst schnell. Der Windanteil liegt immerhin bei gut 4 Prozent. In Deutschland dagegen decken erneuerbare Energien bereits ein Viertel des Endverbrauchs beim Strom. In den USA sind das erst gut 13 Prozent (Daten der Energy Information Agency hier und hier).

Grüne Politiker und Umweltaktivisten in den USA bezeichnen die Energiewende im fernen Deutschland trotz der negativen Schlagzeilen über eskalierende Kosten gerne als "süßen deutschen Erfolg" und als "ausgeklügeltes Programm."

Vor allem, weil es den Deutschen gelungen sei, die Dominanz der großen Versorger bei der Energieproduktion zu brechen. Die US-Energiepolitik wird dagegen als unausgegoren und mit zu wenigen Anreizen ausgestattet kritisiert.

US-Energieversorger wehren sich bereits vehement gegen die Förderung der Solarenergie. Sie fürchten, sie könnten aufgrund des einsetzenden Booms unter die Räder geraten - vor allem weil Solarstrom die Margen zur nachfragestarken Mittagszeit zerstören könnte.

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