Freitag, 17. August 2018

Klimawandel Eon-Chef will CO2-Ausstoß drastisch verteuern

Eon-Chef Johannes Teyssen: CO2-Zertifikatehandel beleben

Es war ein Rückschlag für Klimaschützer, viele energieintensive Firmen aber zeigten sich erleichtert über das laxe Votum des EU-Parlaments zum CO2-Zertifikatehandel. Jetzt fordert der Chef des deutschen Energieriesen Eon, die Preise für Verschmutzungsrechte schnell hochzusetzen.

Düsseldorf - Eon-Chef Johannes Teyssen fordert eine neue Klimaschutzinitiative. Ohne strengere Klimaziele drohe eine Dekade des Stillstands im Kampf gegen die Erderwärmung, sagte Teyssen im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Der europäische Emissionshandel ist ein todkranker Patient. Entweder therapieren wir ihn jetzt schnell, oder er stirbt", warnte er. "Und das hätte nicht nur für den Klimaschutz kaum absehbare negative Folgen."

Mitte April hatte das Europäische Parlament dem Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten einen schweren Schlag versetzt. Die Abgeordneten stimmten überraschend gegen den zeitweisen Entzug von Verschmutzungsrechten aus dem Markt. Dadurch sollten die stark gesunkenen Preise für CO2-Zertifikate wieder nach oben getrieben werden und Unternehmen zu klimafreundlichen Investitionen bringen. Diese rentierten sich nun nicht mehr, argumentierte Teyssen: "Geld fließt wieder in eine Wirtschaft, die eigentlich bald Geschichte sein sollte."

Nach Worten des Managers ist es mit Europas Vorreiterrolle beim Klimaschutz nicht mehr weit her. "Wir geben eine lächerliche Figur ab", kritisierte der Chef von Deutschlands größtem Energiekonzern.

Die Wirtschaft ist in der Frage des Emissionshandels gespalten. Während vor allem energieintensive Industrien wie Chemie- und Stahlbranche gegen höhere CO2-Preise sind, plädiert die Energiewirtschaft für den Markteingriff, weil sie unter sinkenden Energiepreisen leidet.

kst/rtr

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH