Samstag, 10. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Eon Gaskraftwerk Irsching gerettet - Stromkunden zahlen

Wieder Hoffnung: Das Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt wird nicht stillgelegt.

Aus Eons Gaskraftwerk Irsching 5 wird vorerst keine Ruine der Energiewende. Die hochmoderne, aber defizitäre Anlage soll künftig vor allem das Stromnetz stabilisieren und bekommt dafür mehr Geld vom Netzbetreiber Tennet, wie manager magazin online erfuhr. Der reicht die Kosten weiter.

Hamburg - Eons hochmodernes, aber defizitäres Gaskraftwerk Irsching 5 ist vorerst gerettet. Die 845-Megawatt-Anlage bei Ingolstadt soll bis mindestens Ende 2015 gezielt für die Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt werden, erfuhr manager magazin online aus Branchenkreisen.

Demnach wird das Kraftwerk künftig je nach Bedarf des Übertragungsnetzbetreibers Tennet für so genannte Redispatch-Einsätze zur Verfügung stehen, was deutlich besser vergütet wird als Strom, der für Endverbraucher produziert wird. Die zusätzlichen Kosten kann Netzbetreiber Tennet über die Netzentgelte an die Stromverbraucher weitergeben.

Am 26. April soll Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) den Beschäftigten die Botschaft vor Ort verkünden. Eon kommentierte die Informationen gegenüber manager magazin online nicht.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte zuletzt mehrfach und letztlich erfolgreich damit gedroht, das gemeinsam mit einigen Regionalversorgern betriebene Kraftwerk stillzulegen. Teyssen zufolge bringt das erst 2010 fertig gestellte, hoch effiziente Kraftwerk (Kosten: 400 Millionen Euro) Eon Börsen-Chart zeigen Verluste ein, weil der Strompreis zu niedrig sei. Zudem produziere die Anlage deutlich seltener Strom als geplant.

Teyssen forderte zuletzt 100 Millionen Euro im Jahr für Irsching

Jedoch gelten Gaskraftwerke als unverzichtbar für die Energiewende. Einerseits sollen sie Atomkraftwerke ersetzen, die nach und nach abgeschaltet werden. Zudem sind die Anlagen schnell regelbar. So sind sie in der Lage, schwankende Strommengen aus erneuerbaren Quellen ausgleichen.

Gerade die Ökostrom-Anlagen vermiesen Gaskraftwerks-Betreibern allerdings auch das Geschäft: Der massive Zuwachs von Strom aus Windkraft- und Solaranlagen drückt den Strompreis an der Börse. Mittags, wenn die Nachfrage hoch ist, verdirbt zudem vor allem Elektrizität aus Fotovoltaikanlagen den Preis.

Zahlreiche Betreiber von Gaskraftwerken klagen deshalb über sinkende oder negative Margen. Demgegenüber erweisen sich umweltschädliche Kohlekraftwerke als wirtschaftlich, weil die Brennstoffkosten derzeit niedriger sind und der Preis für Verschmutzungsrechte am Boden ist.

Die nun getroffene Vereinbarung stellt die Wirtschaftlichkeit von Irsching 5 wieder her. Über die letzten Details feilschen die Beteiligten noch. Eon-Chef Teyssen hatte zuletzt gesagt, es seien 100 Millionen Euro im Jahr nötig, um das Kraftwerk zu retten: "Sollten die Anlagen systemisch benötigt werden erwarten wir einen fairen Ausgleich."

Vor allem die bayerische Landesregierung hatte sich vehement für den Weiterbetrieb von Irsching eingesetzt. Spätestens wenn im Jahr 2015 das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet wird, drohen ohne Irsching Engpässe bei der Stromversorgung Bayerns, wie es in der Energiebranche heißt. Dem Vernehmen nach wird auch das ebenfalls schwach ausgelastete Kraftwerk Irsching 4 in die Lösung einbezogen.

Für die Betreiber hat die nun gefundene Lösung offenbar aber nur einen Übergangscharakter. Langfristig soll das Kraftwerk wieder aus eigener Kraft am Strommarkt bestehen. Allerdings müsse dieser grundsätzlich reformiert werden, damit Gaskraftwerke wieder eine Chance haben. Insofern richten die Betreiber ihre Hoffnung auf die nächste Legislaturperiode im Bund.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH