Donnerstag, 29. September 2016

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Exportboom legt an Tempo zu Deutscher Kohlestrom flutet Europa

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde (Brandenburg): Deutscher Billigstrom ist im Ausland gefragt

Die deutsche Stromwirtschaft hat ihre Ausfuhren erneut drastisch gesteigert. Im ersten Quartal hat sich die exportierte Menge nach Informationen von manager magazin online verdoppelt. Vor allem Steinkohlekraftwerke erleben einen regelrechten Boom - auf Kosten vergleichsweise sauberer Gaskraftwerke.

Hamburg - Die deutschen Stromerzeuger überschwemmen die Nachbarländer mit immer stärker wachsenden Mengen billiger Elektrizität. Im ersten Quartal des Jahres führten sie im Saldo etwa 16 Terawattstunden aus, wie aus Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) hervorgeht, die manager magazin online vorliegen. Sie basieren auf Daten der Vereinigung der europäischen Netzbetreiber Entso-E. Im Vorjahreszeitraum hatte die Menge laut ISE etwa acht Terawattstunden betragen.

Die von Januar bis März 2013 ausgeführte Menge entspricht ungefähr der Produktion von sechs Großkraftwerken, die permanent laufen. Im gesamten Jahr 2012 hatte der Exportsaldo knapp 23 Terawattstunden betragen und damit einen Allzeitrekord markiert, der nun bereits in Reichweite ist.

Hauptgrund für die zuletzt gestiegenen Exporte ist der niedrige Börsenstrompreis in Deutschland. Er liegt nur knapp über 40 Euro pro Megawattstunde und resultiert aus einem Überangebot von Strom durch den zuletzt rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien. Zudem ist der Preis für Emissionzertifikate im Keller - davon profitieren die vergleichsweise umweltschädlichen Kohlekraftwerke.

Steinkohle-Stromproduktion legt um ein Viertel zu

Und so geht der Exportzuwachs offenbar ausschließlich auf das Konto zusätzlicher Mengen von Kohlestrom. Steinkohlekraftwerke steigerten ihren Ausstoß um etwa 23 Prozent, wie Berechnungen von manager magazin online auf Basis der ISE-Zahlen ergaben. Braunkohle legte um etwa 8 Prozent zu, während alle anderen Energieträger weniger produzierten als im Vorjahr, darunter Wind-, Solar- und Wasserkraft.

Dramatisch sieht die Lage bei Gaskraftwerken aus. Ihre Erzeugung sank trotz des kalten Winters um etwa 16 Prozent. Versorger wie Eon Börsen-Chart zeigen hatten zuletzt verstärkt damit gedroht, Gaskraftwerke vom Netz zu nehmen, weil ihr wirtschaftlicher Betrieb derzeit nicht möglich sei. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht die Lage "mit Sorge", wie ein Sprecher gegenüber manager magazin online mitteilte.

Dem BDEW zufolge hatten deutsche Kraftwerksbetreiber den Stromüberschuss im vergangenen Jahr vor allem in die Niederlande exportiert, die deshalb ihre vergleichsweise sauberen Gaskraftwerke drosselten.

Aufgrund der neuen Zahlen könnte sich auch die Hoffnung von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) zerschlagen, dass der Zuwachs beim deutschen Ausstoß von Kohlendioxid im vergangenen Jahr ein einmaliger Rückschlag für die deutsche Energiewende gewesen ist.

"Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung", hatte Altmaier gesagt. Sie dürfte "nicht zu einer Tendenz werden". Im Jahr 2012 war die Stromproduktion aus Steinkohle um etwa 5 Prozent gestiegen, die aus Braunkohle hatte um etwa 6 Prozent zugelegt.

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