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15.02.2013
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Elektroauto-Tankstellen
Start-up will Lücken im Ladenetz stopfen

Von Wilfried Eckl-Dorna

Elektroautos: Welche E-Mobile 2013 verfügbar sind
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BMW

Die Euphorie um Elektroautos ist verflogen, der Aufbau eines deutschlandweiten Ladenetzes stockt. Nun will das Start-up Ubitricity mit einer pfiffigen Lösung Ladestationen deutlich billiger machen. Kommunen zeigen Interesse - und die EU beginnt, Druck zu machen.

Hamburg - Elon Musk hat derzeit ein Glaubwürdigkeitsproblem am Hals. Der Chef des Elektroautopioniers Tesla liefert sich einen Schlagabtausch mit einem Journalisten, der vor Kurzem eine wenig schmeichelhaften Artikel über eine Testfahrt veröffentlicht hatte. Im kalten Winterwetter war dem New-York-Times-Reporter John Broder in Teslas vielgelobten Model S der Saft ausgegangen - trotz einer theoretischen Reichweite von knapp 500 Kilometern pro Batterieladung. Das hat Broder minutiös beschrieben - und sich damit den Zorn von Musk zugezogen.

Via Twitter unterstellte der Tesla-Chef dem Journalisten, Daten über die Testfahrt gefälscht und die Anleitungen des Tesla-Teams nicht genau befolgt zu haben. Gestern legte er in einem Blogbeitrag nochmals nach - und veröffentlichte das gesamte elektronische Fahrtenbuch. Nun diskutieren US-Medien nicht nur über Musks Vorwürfe, sondern auch über die sogenannte Reichweitenangst. Und sie wundern sich, warum das Stromtanken des gut 100.000 Euro teuren Model S an einer Tesla-eigenen Schnellladestation mindestens eine Stunde dauert - und der Akku selbst dann nicht vollständig geladen ist.

Eine Stunde laden? Für weit mehr als hundert Kilometer Reichweite? Solche Diskussionen würden deutsche Elektroauto-Pioniere wohl gerne führen. In Europa gibt es Teslas Supercharger noch nicht. Schlimmer noch: In Deutschland sind auch Schnellladestationen Mangelware, an denen die Vollladung je nach Akkugröße mehrere Stunden dauern kann.

Das Berliner Start-up Ubitricity meint, eine Lösung für das deutsche Ladeproblem gefunden zu haben und will für vergleichsweise wenig Geld etwa Laternenmasten zu Stromtankstellen umfunktionieren. Kommunen und Städte zeigen sich interessiert, doch zuerst muss das Start-up beweisen, dass sein System funktioniert. Für die Elektroauto-Infrastruktur in Deutschland wäre es ein Segen. Denn der schleppende Ausbau des Ladesäulennetzes hat handfeste Gründe - und gefährdet die Stromer-Pläne der Bundesregierung.

Das Henne-Ei-Problem der Elektromobilität

Nach Vorstellung der Bundesregierung soll Deutschland eigentlich zum Leitmarkt für Elektromobilität werden. Eine Million elektrisch betriebener Fahrzeuge sollen bis 2020 auf deutschen Straßen rollen - wobei die Hoffnungen nun stärker auf Plugin-Hybriden liegen, die nur kurze Strecken elektrisch zurücklegen. Doch um emissionslos durch den Stadtverkehr zu stromern, benötigen auch sie ein Netz von Ladestationen.

Doch genau das ist nach wie vor sehr grobmaschig. In Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München finden sich zwar mehrere Dutzend Ladepunkte innerhalb der Stadtgrenzen. Doch für kleinere Städten wie Göttingen, Braunschweig oder Würzburg listet das Online-Ladesäulenverzeichnis Plugsurfing nicht mal eine Handvoll Stromtankstellen auf.

Für die Verkaufszahlen der ohnehin noch sehr teuren Stromer ist das Gift. Denn so kommt der Kauf eines E-Mobils für Stadtbewohner ohne eigener Garage oder Haus samt Außensteckdose kaum in Frage. Zwar betonen Vertreter von Energieversorgern in Gesprächen gerne, dass sie bei der Errichtung von Ladesäulen in Vorleistung gegangen sind. Doch enorm groß ist diese nicht ausgefallen: Europaweit gibt es gerade mal ein paar Tausend solcher Stromtankstellen. Und das setzt eine Spirale in Gang.

Zu wenige Lademöglichkeiten schrecken potenzielle Elektroautokäufer ab. Doch solange zu wenig Stromer auf den Straßen fahren, baut niemand weitere Ladestationen - ein Teufelskreislauf. Diesen will nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die EU durchbrechen.

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