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07.02.2013
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Walchensee
Ein Wasserkraftwerk als Wiege der Industrie

Von Cornelia Knust

Wasserkraft: Neue Chance durch Energiewende
Fotos
Eon Wasserkraft

Zwischen Walchen- und Kochelsee steht die Wiege der bayerischen Industrialisierung. Einst das größte Wasserkraftwerk der Welt, markierte das Walchenseekraftwerk den Beginn einer flächendeckenden Stromversorgung - und es war höchst umstritten.

Kochel - Für Technikfreaks ist es wie der erste Schritt in den Spiegelsaal von Versailles. Wer sich für Wasserkraft begeistern kann und gute Architektur zu schätzen weiß, dem gilt die Turbinenhalle des Walchenseekraftwerks in Kochel als Kultobjekt. Eine lichte Halle groß wie ein Fußballfeld, bestückt mit je acht Turbinen und Generatoren in schön lackierten Gehäusen, die das Gebäude mit ihrem Lärm zum Zittern bringen.

Die Professoren der Fachhochschule Rosenheim, die auf dem Kraftwerksgelände mit ihren Studenten durch den Schnee stapfen und mit einer Werksseilbahn den Berg hinauf zum "Wasserschloss" fahren, haben jedenfalls leuchtende Augen. Und der sie eskortierende Markus Krinner - ein nicht mehr junger Mann, der neben dem Kraftwerk aufgewachsen ist, hier früher mal Betriebsingenieur war und nun Führungen leitet - gilt ihnen als Guru der Branche.

"Das war damals das größte Wasserkraftwerk der Welt", erzählt Krinner über die Planungsphase Anfang des 20 Jahrhunderts. "Ein Projekt aus damaliger Sicht vergleichbar mit dem Drei-Schluchten-Damm in China heute". Für Bayern, zu der Zeit ein Agrarstaat, war das Kraftwerk nicht nur der Beginn einer flächendeckenden Stromversorgung und damit der Industrialisierung. Es war auch hoch umstritten, selbst in Unternehmerkreisen.

"Seit Jahrzehnten hat wohl in Bayern kein anderes wirtschaftliches Unternehmen die öffentliche Aufmerksamkeit so lebhaft in Anspruch genommen und das Für und Wider der Meinungen so sehr hervorgerufen, wie das Walchenseeprojekt". So zitiert das Protokoll einer Sitzung der Münchner Handelskammer vom 3. April 1914 einen gewissen Direktor Dietrich. Der outet sich als Gegner des Projekts, weil der Staat selbst es stemmen will, obwohl "es eine bekannte Tatsache (ist), dass der Staat am teuersten baut und am teuersten betreibt".

Strom aus Wasserkraft zu wettbewerbsfähigen Preisen?

In dieser Akte des Bayerischen Wirtschaftsarchivs bezweifelt Dietrich zudem, ob der erzeugte Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden könne und sich genügend Abnehmer fänden. Ja, er verweist sogar auf die Interessen der "Naturfreunde" an der Erhaltung des Landschaftsbildes, die ja in der Debatte völlig übergangen worden seien.

Die beiden Kammern des bayerischen Parlaments segneten das Projekt zwar dennoch wenig später ab, doch verhinderte der Beginn des Ersten Weltkriegs seine Realisierung. Dabei hatte man schon bald 25 Jahre an den Kraftwerksplänen herumgedoktert. Schon 1890 konkretisierte sich die Idee, den Höhenunterschied von 200 Metern zwischen dem Walchensee und dem Kochelsee für die Energieerzeugung zu nutzen und dafür ein Loch durch den Berg zu bohren. Weil der Walchensee nur wenige natürliche Zuflüsse besaß, überlegte man, die höhergelegene Isar über einen Kanal mit dem See zu verbinden. Gleichfalls sollte der Rissbach über einen Stollen Wasser zuliefern und ein zu starkes Absinken des Wasserspiegels im See verhindern.

1905 gab es zwei konkurrierende Planungskonzepte (eines Major von Donath und eines Herrn Schmick) aus dem sich das Königreich Bayern ein drittes bastelte. Doch als es 1914 kriegsbedingt in der Schublade verschwand, war ohnehin nicht klar, für wen, außer der Eisenbahn, eigentlich der ganze Strom erzeugt werden sollte. Denn sein verlustarmer Transport über weite Strecken war damals noch nicht möglich.

Hier kommt nun Oskar von Miller ins Spiel, der begnadete Energieunternehmer und Gründer des Deutschen Museums in München. Er machte Werbung für eine Methode des Stromtransports mittels höherer Spannung, die ein französischer Ingenieur entwickelt hatte. Schon bald sollte er als Projektleiter den Bau des Walchenseekraftwerks realisieren.

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