03.02.2013
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Tarifverhandlungen
Gewerkschaften sagen Streik bei Eon ab

Eon-Techniker: Kein Streik bis 10. Februar
dapd

Eon-Techniker: Kein Streik bis 10. Februar

Der für Montag angekündigte Streik bei Deutschlands größtem Energiekonzern ist ausgesetzt. Eon und Gewerkschaften sehen sich doch noch auf dem Weg zu einer Einigung über höhere Löhne. Der Ausstand wäre eine Premiere in der Branche.

Düsseldorf - Der erste unbefristete Streik beim Energiekonzern Eon ist vorerst abgewendet. In einem Spitzengespräch am Freitagabend loteten die Tarifpartner den Weg zu einer Einigung aus, wie die Gewerkschaft Verdi am Samstag mitteilte. "Ich sehe uns auf einem guten Weg und halte eine kurzfristige Einigung nunmehr für möglich", sagte Eon-Personalchefin Regine Stachelhaus.

Verdi erklärte, die Tarifparteien hätten in dem Gespräch eine ergebnisorientierte Position erarbeitet, über die aber zunächst Stillschweigen vereinbart worden sei. Die zentrale Arbeitskampfleitung der Gewerkschaft habe daher nun beschlossen, den Arbeitskampf bis Sonntag, 10. Februar, auszusetzen. Die gemeinsame Tarifkommission von Verdi und IG BCE werde am kommenden Mittwoch beraten und über eine Wiederaufnahme der Verhandlungen auf Basis der besprochenen Positionen entscheiden.

Wegen des Tarifstreits hatte Verdi-Verhandlungsführer Volker Stüber am Freitag angekündigt, am Montag mit dem Ausstand beginnen zu wollen. Die Gewerkschaften fordern für die rund 30.000 Beschäftigten von Eon Chart zeigen in Deutschland 6,5 Prozent mehr Lohn. Die vom Energieriesen zuletzt gebotenen 1,7 Prozent nannte er eine Zumutung. Als Voraussetzungen für neue Gespräche hatte Stüber ein konkretes Angebot gefordert. "Die Zahl muss stehen." Zudem müsse sich Eon bei den geforderten besseren Regelungen zur Übernahme der Auszubildenden bewegen.

Der Gewerkschafter deutete zugleich Kompromissbereitschaft an. "6,5 Prozent ist nicht das letzte Wort." Eine Mindesthöhe wollte er aber nicht nennen. "Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug." Zuvor hatten sich bei der Urabstimmung über 90 Prozent der Verdi- und IG-BCE-Mitglieder für den Arbeitskampf ausgesprochen. Auch Kraftwerke sollten bestreikt werden.

Eon ist auf Ausfall von Kraftwerken vorbereitet

Verdi zufolge wäre der Streik der erste in der privaten Energiewirtschaft der Bundesrepublik überhaupt. Wegen des sicheren Geschäfts mit Strom und Gas verdienten die Beschäftigten bei den Versorgern jahrelang gutes Geld und profitierten von vergleichsweise hohen Sozialleistungen. Inzwischen herrscht bei den Konzernen wegen des größeren Wettbewerbs, des Atomausstiegs und sinkender Großhandelspreise Krisenstimmung.

Das Unternehmen, das bundesweit 23 Kraftwerke betreibt, leidet unter den stark gesunkenen Großhandelspreisen für Strom, dem Atomausstieg und den Lasten der Energiewende. 2011 hatte Eon erstmals Milliardenverluste erwirtschaftet, für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung des Nettoüberschusses auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro (2012: 4,3 Milliarden), wie Konzernchef Johannes Teyssen kürzlich angekündigt hatte.

Die Gewerkschaftsseite verweist andererseits auf das Restrukturierungsprogramm Eon 2.0 mit dem Abbau von 6000 Jobs bis 2015, das von den Arbeitnehmervertretern mit Sozialplänen mitgetragen wurde. Nun müsse wenigstens ein anständiger Tarifabschluss her, hieß es.

Der Stromriese versorgt in Deutschland etwa sechs Millionen Kunden. Eon hatte sich bereits auf den Fall vorbereitet, dass bei einem Streik Kraftwerke von Beschäftigten lahmgelegt werden könnten. Ein bundesweit abgestufter Aktionsplan stand bereits.

Annäherung auch bei RWE

Auch im Tarifkonflikt beim Wettbewerber RWE Chart zeigen nähern sich Unternehmensleitung und Gewerkschaften an. RWE-Personalvorstand Uwe Tigges habe seine Bereitschaft zu Gesprächen und Verhandlungen signalisiert, berichteten die Zeitungen der WAZ-Gruppe und beriefen sich dabei auf eine E-Mail von Tigges an die RWE-Führungskräfte.

"Wir wollen trotz der immensen Herausforderungen der Energiewende eine möglichst hohe Beschäftigung im Konzern sichern", schrieb Tigges. RWE wolle "fair" und "sozialverträglich" vorgehen. Ferner hieß es in der Mail, der Versorger wolle den Ende vergangenen Jahres ausgelaufenen Vertrag zur Beschäftigungssicherung freiwillig bis Mitte 2013 verlängern. Ein Sprecher bestätigte den Inhalt der E-Mail.

Am Montagabend war die dritte Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten von RWE in Deutschland ohne Ergebnis abgebrochen worden. Für kommenden Dienstag haben die Gewerkschaften Verdi und IG BCE ein Treffen anberaumt, bei dem sie das weitere Vorgehen besprechen wollen. Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigen von RWE sechs Prozent mehr Lohn. Der Konzern hat nach ihren Angaben angeboten, die Gehälter 2013 und 2014 um jeweils 1,5 Prozent zu erhöhen.

ak/rtr/dpa

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