Mittwoch, 1. April 2015

Deutsches Schiefergas Die Fracking-Illusion

Fracking: Fluch oder Segen?
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AFP

Amerikas Schiefergas-Rausch nährt auch hierzulande den Traum von billiger Energie. Heimischer Brennstoff könnte die Stromkosten der Industrie senken und nebenbei die Energiewende retten, verheißen Konzerne wie Exxon. In der Fachwelt glaubt daran fast niemand.

Hamburg - Mühsam quälen sich die Pferdeköpfe der beiden Erdöl-Tiefpumpen auf und nieder. In Hamburg-Reitbrook, zwischen Wiesen und Gewächshäusern, schöpfen die Anlagen die Reste einer mehr als 50 Jahre alten Quelle aus. Die grüne Farbe blättert langsam ab; in ein paar Jahren ist hier wohl Schluss, erwarten die Anwohner.

Lange sind sie davon ausgegangen, dass sich die Öl- und Gasförderindustrie schon bald nicht mehr für den Stadtteil interessiert.

Weit gefehlt. Gerade hat der Energiemulti Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen die Gegend für sich entdeckt. Geht es nach dem Willen des US-Konzerns, beginnt die Suche nach Bodenschätzen nun erst richtig. Kürzlich hat das Bergamt einer Tochterfirma des Konzerns erlaubt, das Gebiet auf Öl- und Gasvorkommen zu untersuchen. Die Hoffnung: Tausende Meter unter der Erdoberfläche lagern große Mengen Schiefergas, das mit der Fördermethode Fracking zu Tage gefördert werden könnte.

Nicht nur der Hamburger Südosten ist in den Blick der Förderkonzerne geraten. Platzhirsch Exxon sucht auch in weiten Teilen Niedersachens und Nordrhein-Westfalens nach Schiefergas; die Konkurrenz von BNK Petroleum, der BASF-Tochter Wintershall und BG International hat sich ebenfalls Erkundungsgebiete gesichert. Angesichts des Schiefergas-Booms in den USA wollen sie alle herausfinden, ob sich im deutschen Untergrund ebenfalls ein Milliardenschatz verbirgt.

Botschaft fällt auf fruchtbaren Boden

Die Erwartungen sind groß. "Deutschland ist ein spannender Markt", sagt eine Exxon-Sprecherin gegenüber manager magazin online. Die Kunden sind vor Ort, ein gut ausgebautes Netz von Gasleitungen durchzieht die Republik, und die erforderlichen Fachkräfte gibt es auch.

Umso schöner, dass die neuen Vorkommen nach Angaben von Exxon gleich der gesamten, von hohen Strompreisen geschundenen Wirtschaft gut tun würden. Profitieren würden "auch Verbraucher und Industrie von niedrigen Energiepreisen", trommelt das Unternehmen in einer breit angelegten Kampagne.

Die Botschaft fällt auf fruchtbaren Boden, vor allem angesichts der beinahe märchenhaften Berichte aus den USA. Dort ist der Gaspreis zwischenzeitlich abgestürzt, seit die Förderkonzerne in großen Teilen des Landes Schiefergas mittels Fracking gewinnen.

Das entlastet nicht nur Privathaushalte um viele Milliarden Dollar bei den Heizkosten. Der billige Rohstoff lockt zudem energieintensive Unternehmen aus aller Welt an. Chemiekonzerne aus der Industrie wollen zahlreiche neue Werke bauen, in denen sie Grundmaterialien für Kunststoffe herstellen.

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