Freitag, 4. September 2015

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Eon-Chef Teyssen zur Energiepolitik "Ein Witz, über den die ganze Welt lacht"

Eon-Chef Johannes Teyssen: "Wir werden natürlich schrumpfen"

Eon-Chef Johannes Teyssen kritisiert im Interview mit manager magazin massiv die deutsche Energiepolitik und spricht sich für ein Umsteuern bei der Förderung erneuerbarer Energien aus. Sinnvoller als der europaweite Handel mit Emissionsrechten sei eine CO2-Steuer.

Hamburg - "Wir haben ein Energiesystem, in dem ein Viertel des Stroms - Sonne und Wind - immer instabiler, immer sauberer und teurer wird. Die verbleibenden 75 Prozent konventioneller Erzeugung werden immer billiger und schmutziger", sagt Teyssen im Interview mit dem manager magazin, dessen neue Ausgabe ab Freitag (18. Januar) im Handel ist.

Der Energiemanager spricht sich für ein konsequentes Umsteuern bei der Förderung erneuerbarer Energien aus. Es sollte nur noch einen festen Zuschuss geben, wie in den USA; den Rest müsste sich etwa ein Hausbesitzer mit Solardach am Markt verdienen. "Der muss sich dann fragen: Gibt es überhaupt Kunden für meinen Strom?", sagte Teyssen.

Bisher werde in der Fotovoltaik die komplette Differenz zum jeweiligen Börsenpreis subventioniert, egal, ob jemand den Sonnenstrom kaufe. "Wir dürfen keine Verschwendung mehr zulassen", fordert Teyssen.

Geradezu "gespenstisch" findet der Eon-Manager die derzeitige Praxis des Emissionsrechtehandels. "Wir lassen zu, dass der CO2-Preis jegliche Steuerungsfunktion verliert, weil es viel zu viele Zertifikate gibt", kritisiert Teyssen. Die Pläne der EU-Kommission, für 900 Millionen Tonnen Zertifikate einzuziehen, hält Teyssen für einen "völlig unzureichenden" Schritt.

Scharfe Kritik am Emissionsrechtehandel

Der Emissionhandel sei "ein Witz, über den die ganze Welt lacht". Falls es nicht gelinge, den Handel grundlegend zu reparieren, solle man ihn durch eine CO2-Steuer ersetzen, schlägt Teyssen vor.

Zwar hält der Chef des Energiekonzerns Eon Börsen-Chart zeigen auch das deutsche Stromnetz für "angespannt", schließlich hat der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zwei große Eon-Kraftwerksblöcke, die eigentlich zur Stilllegung anstanden, für diesen Winter "als Nothilfe" kontrahiert. Aber die größere Blackout-Gefahr sieht er "bei unseren Nachbarn".

Überschüssiger Windstrom, der innerhalb Deutschlands wegen fehlender Nord-Süd-Trassen nicht transportiert werden könne, würde nach Holland oder Polen geleitet, "teilweise mit nur 20 Minuten Vorlauf". Die Nachbarn müssten dann schleunigst ihre eigenen Kraftwerke abschalten, damit deren Netz halte.

Im Gefolge der Energiewende, daran ließ Teyssen keinen Zweifel, werde Eon Marktanteile verlieren, das sei "unvermeidbar" bei einem Wechsel von der Großstromerzeugung auf eine dezentrale Erzeugung. Teyssen: "Wir werden natürlich schrumpfen."

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