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19.12.2012
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Eons Krisenkraftwerk
Das Drama von Datteln

Von Nils-Viktor Sorge, Datteln

Problembaustelle: Das Eon-Kraftwerk Datteln 4 droht eine milliardenschwere Investitionsruine zu werden
REUTERS

Problembaustelle: Das Eon-Kraftwerk Datteln 4 droht eine milliardenschwere Investitionsruine zu werden

Im Ruhrgebiet kämpfen Energieversorger einen bizarren Kampf um den Bau der vielleicht letzten Steinkohlekraftwerke in Deutschland. Eons neuer Block in Datteln droht dabei eine Investitionsruine zu werden. Dem Konzern läuft die Zeit davon.

Grau ist der Himmel über Datteln, grau und in Bewegung. Wolkenschwaden kreuzen den Dortmund-Ems-Kanal, aus den Schloten der alten Eon-Kraftwerke wabern Wasserdampf und Rauchgas herüber. Kaum zu erkennen ist der übermächtige Kühlturm des neuen Blocks. Doch je näher Autofahrer auf ihn zusteuern, desto deutlicher zeichnet er sich ab. Dabei wird klar: Aus ihm entweicht - nichts.

Das ist Eons Problem mit dem Milliardenprojekt Datteln 4, das hier entsteht und für den Versorger im Fiasko enden könnte. Seit Jahren baut Eon an dem Steinkohlekraftwerk, eigentlich sollte es schon 2011 fertig sein. Doch es darf nicht ans Netz.

Gedacht war die Anlage als Gewinnmaschine für das gebeutelte Unternehmen, das stark unter dem Atomausstieg und dem Vormarsch der erneuerbaren Energien leidet. Zudem würde es die Macht des Unternehmens wenigstens teilweise in die Zeit der neuen, unsicheren deutschen Stromwelt hinüberretten: Einmal am Netz, laufen Kohlekraftwerke um die 40 Jahre - bei relativ geringen Betriebskosten.

Dazu die Deutsche Bahn als Großkunde sowie Tausende Haushalte, die auch Wärme abnehmen - Datteln 4 könnte eine Goldgrube für Eon Chart zeigen sein.

Eon läuft die Zeit davon

Doch nun stapft Andreas Willeke in Gummistiefeln und mit weißem Helm durch den Schnee auf einem Gelände, das noch immer eine Baustelle ist. Willeke ist Eons Projektleiter in Datteln, er ist seit den ersten konkreten Planungen im Jahr 2006 vor Ort. "Günstiger wird es natürlich nicht", sagt er nach all den juristischen Rückschlägen, die es zuletzt für das 1,2-Milliarden-Euro-Bauwerk gegeben hat. Doch aufgeben - das kommt für ihn und seine Leute nicht infrage.

Es könnte noch Jahre dauern, bis die Anlage wie geplant den ersten Strom liefert, wenn überhaupt. Gleich mehrfach haben Gerichte Eon und der Stadt Datteln einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zu lax hätten die Verantwortlichen das Projekt geplant und zahlreiche Belange von Naturschutz bis Landesplanung missachtet, gaben sie Anwohnern und Naturschutzverbänden Recht.

Für Eon ist das doppelt schmerzhaft. Während die Kosten in Datteln davonlaufen, verschlechtern sich die wirtschaftlichen Bedingungen für Kohlekraftwerke in Deutschland permanent. Täglich gehen Wind- und Solarkraftwerke ans Netz, drücken den Strompreis an der Börse und verdrängen Elektrizität aus konventionellen Anlagen.

Das Drama von Datteln lässt sich bei einem kleinen Rundgang auf den ersten Blick erfassen. Links das blaue Kesselhaus, dessen leicht geschwungene Metallfassade wie ein zu breit geratener Wolkenkratzer ohne Fenster in die Höhe ragt. Das Herzstück des Kraftwerks habe man architektonisch besonders anspruchsvoll gestaltet, um die Bürger in der 35.000-Einwohnerstadt von dem Vorhaben zu überzeugen, wie Willeke sagt.

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