Donnerstag, 2. Juli 2015

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Nordex-Chef "Wir können nicht überall die Besten sein"

Ranking: Die größten Windturbinenbauer der Welt
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DPA

Der Windturbinenbauer Nordex will sich vom Konzern zum Mittelständler zurechtschrumpfen. Vorstandschef Jürgen Zeschky erklärt, wie er dieses Ziel vorantreibt - und welche Chancen er in den USA unter Barack Obama sieht.

mm: Herr Zeschky, Sie haben entschieden, aus dem Konzern Nordex den Mittelständler Nordex zu formen. Die neue Strategie haben Sie im September verkündet. Was wollen Sie ändern?

Zeschky: Es gibt drei Aspekte. Da ist zunächst die Effizienz im operativen Geschäft. Zweitens die strukturelle Seite, also vor allem das Setup an unseren zwei internationalen Standorten in China und den USA. Drittens das Thema Strategie, bei dem es vor allem um die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen geht.

mm: Im operativen Geschäft werden Sie dabei auf die Arbeit Ihres bisherigen COO Marc Sielemann verzichten. Warum musste er gehen?

Zeschky: Herr Sielemann hat sich selbst dafür entschieden, das Unternehmen zu verlassen um sich neuen beruflichen Aufgaben zuzuwenden. Er hat definitiv seine Verdienste, was die Produktion betrifft. Beispielsweise hat er die Produktion von der Zellfertigung auf Flussfertigung umgestellt und die Produktionskosten deutlich reduziert. Nach dem Rücktritt von Herrn Sielemann haben wir zusammen mit unserem Aufsichtsrat beschlossen, den Vorstand auf drei Personen zu verkleinern. Dahinter steht die Notwendigkeit, unsere Strukturen zu vereinfachen und Kosten zu sparen.

mm: Nordex leidet darunter, dass in den vergangenen Jahren trotz sinkender Umsätze hunderte neuer Mitarbeiter eingestellt worden sind. Wie erklären Sie diese Entwicklung?

Zeschky: Es war dem Wachstumspfad der Vergangenheit geschuldet. Zwischen 2004 und 2008 ist Nordex um rund 50 Prozent im Jahr gewachsen. Der Personalpolitik lag die Idee zugrunde, die Strukturen für künftiges Wachstum rechtzeitig aufzubauen. Sonst wäre das Unternehmen Gefahr gelaufen, Projekte nicht profitabel abwickeln zu können. Wir haben einen Konzern gebaut, der aus den drei Regionalgesellschaften Asien, Amerika und Europa bestand. Jetzt haben wir dieselben Probleme wie derzeit viele Industrieunternehmen: Die Kapazitäten sind zu hoch. Wir haben daher entschieden, uns strukturell an diese Situation anzupassen.

mm: Gleichzeitig suchen Sie 130 neue Facharbeiter in Rostock.

Zeschky: Ja, das sind aber Jobs, die direkt wertschöpfend sind. Diese Mitarbeiter bauen die Rotoren für unser Erfolgsmodell N-117...

mm: ...ihre neue Turbine für Schwachwindstandorte.

Zeschky: Die Bereiche, in denen wir überhaupt Jobs aufbauen, sind Fertigung und Service. Ansonsten bauen wir strukturell ab.

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