Samstag, 27. August 2016

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Unprofitable Gaskraftwerke Deutscher Windstrom sorgt für Zwangspausen in Holland

Kraftwerksbaustelle von RWE in den Niederlanden: Wenig Glück mit Stromerzeugung aus Gas

Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, drosseln die Holländer ihre Kraftwerke und importieren billigen Strom aus Deutschland. Auf diese Weise ist die Bundesrepublik wieder zum Großexporteur für Elektrizität geworden. Die Energiekonzerne haben davon aber nicht allzu viel.

Hamburg - Wenn über Norddeutschland eine frische Brise aufzieht, bereiten sich niederländische Kraftwerksbetreiber schon mal auf eine unfreiwillige Pause vor. In dem Moment, wo der deutsche Windstrom ins Netz drückt, wissen sie: Viele ihrer Anlagen sind jetzt erstmal nicht mehr gefragt. Es ist dann soviel billiger Saft in der Leitung, dass der sich zunehmend auch seinen Weg durch die Kuppelstellen an der Grenze bahnt.

Das relativ neue Phänomen ist auch eine Folge des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland. Galt die Bundesrepublik nach dem Teil-Atomausstieg im Frühjahr 2011 noch als möglicher Netto-Importeur von Strom, hat sich die Lage inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Selbst im Sommer, traditionell eine Importphase, führt Deutschland dank zahlreicher Solaranlagen inzwischen mehr Elektrizität aus als ein.

Für die niederländischen Versorger ist es inzwischen günstiger, im Osten einzukaufen als sämtlichen Strom selbst zu produzieren. "Die aktuelle Marktsituation machen die Schlussfolgerung sehr wahrscheinlich, dass die hohen Stromflüsse in die Niederlande durch die aktuelle Marktsituation für Gaskraftwerke bedingt sind", sagt ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegenüber manager magazin Online.

Gas ist derzeit zu teuer

In anderen Worten: Ihr Brennstoff ist derzeit so teuer, dass die zahlreichen niederländischen Gaskraftwerke derzeit nicht mit Kohleblöcken oder erneuerbare Energien konkurrieren können. Gleichzeitig ist der Preis für Kohle zuletzt gesunken. Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen übernehmen deshalb zusammen mit den erneuerbaren Energien zunehmend die Versorgung des Nachbarlandes.

Eine gute Entwicklung für die großen in Deutschland aktiven Versorger ist das aber nicht wirklich. Zwar können sie ihre Kraftwerke bei starkem Wind oder viel Sonne mitunter weiterlaufen und für das Ausland produzieren lassen. RWE Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen und Vattenfall verfügen jedoch allesamt über üppige Gaskraftwerks-Kapazitäten in den Benelux-Ländern. Diese Anlagen müssen sie häufig herunterfahren, weshalb ihre Wirtschaftlichkeit sinkt. Der Fluch der Energiewende ereilt somit zum Teil also erst in Holland.

Nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg New Energy Finance war Grundlaststrom in den Niederlanden zuletzt vier bis acht Euro teurer pro Megawattstunde als in Deutschland - das sind an die 20 Prozent. "Die Importe sind eine Reaktion auf diesen Aufschlag", sagt Bloomberg-Analyst Brian Potskowski.

Mit durchschnittlichen Gaskraftwerken verlieren Versorger in den Niederlanden laut Bloomberg fünf Euro pro Megawattstunde. Mit Kohlekraftwerken verdienen sie dagegen 17 Euro pro Megawattstunde.

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