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07.10.2012
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Ostseepipeline
Nord Stream weitet Pipelinekapazität aus

Ostseepipeline: Zweiter Strang geht in Kürze in Betrieb
DPA

Ostseepipeline: Zweiter Strang geht in Kürze in Betrieb

Gerade mal zu einem Drittel ist die erste Röhre der Gaspipeline Nord Stream ausgelastet. Doch das Firmenkonsortium Nord Stream rechnet mit einem starken Anstieg der Nachfrage - und eröffnet in Kürze den zweiten Strang. Weitere Ausbaupläne liegen bereits vor.

Lubmin/Moskau - Stacheldraht und Überwachungskameras sichern eines der wichtigsten Energieprojekte Europas. Hier in Lubmin, im äußersten Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns, endet die 1224 Kilometer lange Gaspipeline Nord Stream durch die Ostsee, die den begehrten Rohstoff von Russland nach Deutschland bringt.

Seit einem Jahr ist Nord Stream in Betrieb, an diesem Montag öffnet der zweite Strang der Röhre. Auf 55 Milliarden Kubikmeter Gas verdoppelt sich nun das mögliche Jahresvolumen. Doch das soll bei weitem nicht alles sein - das Firmenkonsortium, an dem der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält, hat weitreichende Pläne.

Bereits jetzt prüft Nord Stream die Möglichkeit eines dritten und gar vierten Strangs - sprich eine Jahresleistung von bis zu 110 Milliarden Kubikmeter. Eine vor kurzem abgeschlossene Machbarkeitsstudie kam zu einem positiven Ergebnis. Sollten nun die Eigner grünes Licht geben, brächte das vor allem dem russischen Energieriesen Gazprom einen Gewinn: Transitländer wie Weißrussland, Ukraine und Polen müssten um Durchleitungsgebühren bangen, wenn der Staatskonzern künftig die Gasströme noch flexibler lenken kann. Bislang hat die Pipeline 7,4 Milliarden Euro gekostet.

Zusammen mit der geplanten Schwarzmeerleitung South Stream, deren Bau noch 2012 beginnen soll, wächst der russische Einfluss auf den europäischen Energiemarkt noch einmal deutlich. Für das von der EU unterstützte Projekt Nabucco mit Gas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands gibt es dagegen dauernd neue Probleme.

Unterstützung aus höchsten russischen Kreisen

Doch Kritiker fragen, ob soviel Gas aus Russland überhaupt nötig sei. Seit November 2011 flossen nach Angaben von Nord Stream rund 8,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch den ersten Strang der Ostseepipeline. Damit war die Leitung zu einem Drittel ausgelastet. Diese Zahl entspreche den Erwartungen, meint Projektdirektor Henning Kothe. Vielmehr betont Nord Stream die Perspektive der Ostseeleitung. Energiewende in Deutschland, Vorrang von Wind- und Solarenergie und Investitionsscheu von Gaskraftbetreibern - der Gasbedarf in Europa werde steigen.

Das ehrgeizige Pipelineprojekt genießt Unterstützung von ganz oben. Sogar eine Teilnahme von Kremlchef Wladimir Putin an der Eröffnungsfeier nahe der russischen Stadt Wyborg ist im Gespräch. Eine Grußbotschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird erwartet, als Chef des Aktionärsausschusses hält Altbundeskanzler Gerhard Schröder eine Rede. Aber wenn der Gashahn aufgedreht wird, ist das lediglich ein symbolischer Akt.

Schon jetzt fließt Erdgas durch den zweiten Leitungsstrang nach Deutschland. Das Hauptventil am Anlandepunkt in der kleinen Gemeinde Lubmin zeigt seit Tagen einen konstanten Druck von 130 Bar an. In den nächsten Tagen wird hier das Gas ins westeuropäische Verbundnetz eingespeist.

Für die strukturschwache Region Vorpommern bringt die Pipeline, mit der Gazprom und auch weitere Nord-Stream-Anteilseigner wie die BASF-Tochter Wintershall oder Eon Ruhrgas jede Menge Geld verdienen wollen, viel Aufsehen. Doch die heiß ersehnten Arbeitsplätze bleiben wohl trotz der auf 50 Jahre veranschlagten Betriebsdauer rar. Die Anlandestation wird - wie auch der Startpunkt bei Wyborg - rund um die Uhr ferngesteuert aus dem Kontrollzentrum im schweizerischen Zug überwacht. Dorthin werden alle sicherheitsrelevanten Daten wie beispielsweise der Gassensoren übertragen.

Die Betriebsführung in Lubmin überwachen lediglich neun Mitarbeiter, dazu kommen Wachkräfte. Auch für die kleine Crew ist der offizielle Festakt in Russland ein wichtiges Ereignis - per Video wollen die Mitarbeiter die Inbetriebnahme verfolgen, erzählt Vize-Anlandungsmanager Ulrich Müller.

wed/dpa-afx

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