Mittwoch, 28. Juni 2017

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Neuer RWE-Chef Terium Offshore-Anschluss verzögert sich länger

Neuer RWE-Chef: Die Her­aus­for­de­run­gen für Peter Terium
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DPA

Der Energiekonzern RWE fürchtet hohe finanzielle Einbußen, nachdem sich der Anschluss des Offshore-Windparks Nordsee Ost länger verzögert als bislang bekannt. Dabei hat der ab dem 1. Juli in Essen regierende RWE-Chef Peter Terium auf den Zukunftsmarkt gesetzt.

Berlin - Die Anbindung der Windparks in der Nordsee droht sich weiter zu verzögern und den Energiekonzernen RWE schwere finanzielle Schäden zuzufügen. Der neue Konzern-Chef Peter Terium sagte dem "Spiegel", der zuständige Netzbetreiber Tennet habe dem Konzern gerade mitgeteilt, dass "es weitere massive Verzögerungen beim Anschluss unseres Offshore-Windparks Nordsee Ost gibt". Damit sei die Wirtschaftlichkeit des Projektes nordöstlich von Helgoland extrem gefährdet. Er forderte die Regierung auf, schnellstens eine Lösung des Problems zu suchen und mit den Investoren über einen "wirtschaftlichen Ausgleich zu reden".

Falls dies nicht geschehe, seien die deutschen Offshore-Planungen bis zum Jahr 2020 nicht mehr erfüllbar. Viele der eigentlich für Deutschland geplanten Parks würden dann in Großbritannien gebaut. Bislang sollte der 30 Kilometer nördlich von Helgoland gelegene 295-Megawatt-Windpark Nordsee Ost 2013 in Betrieb gehen.

RWE investiere Milliarden in die Windparks, die zugesagten Netzanschlüsse seien aber nicht vorhanden. Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium haben bereits eine Arbeitsgruppe zur Beschleunigung der Netzanbindung eingerichtet. Bis zur Sommerpause will die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen, um Haftungsfragen bei der Offshore-Windenergie zu lösen und damit ein wesentliches Hindernis beim Netzanschluss zu beseitigen. Die unklare Situation führte dazu, dass Tennet Kapital fehlte, um die Windparks an das Netz anzuschließen. Zudem ist die Verlegung solcher Seekabel Neuland.

Diskutiert wird zur Klärung der Haftungsfrage, dass die Netzbetreiber künftig Ausgleichszahlungen gegenüber den Betreibern geltend machen könnten, die durch Leitungsprobleme beim Windstrom fällig werden. Dies könnten stärker über den Strompreis wieder hereingeholt werden. Die Anbindungskosten für Windparks auf See werden über die Netzentgelte auf die Stromkunden umgelegt - auch deshalb kann der Strompreis steigen. Bis 2030 sollen Windparks in Nord- und Ostsee mit einer Leistung von 25.000 Megawatt entstehen und so 15 Prozent des Strombedarfs in Deutschland decken.

Offshore-Windkraft Kernfeld des künftigen Geschäfts

Für RWE Börsen-Chart zeigen gilt der Ausbau der Offshore-Windkraft als Kernfeld des künftigen Geschäfts. Andere Konzernbereiche werden indes zurückgefahren. So verkündeten die Essener jüngst, keine neuen Atomkraftwerke mehr bauen zu wollen- weder im Inland noch im Ausland. "Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren", hatte RWE-Chef Terium bereits Wochen vor seinem Amtsantritt gesagt. Der Manager verabschiedet sich damit vom Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers Jürgen Großmann. Konkurrent Eon Börsen-Chart zeigen hält sich dagegen die Option zum Neubau von Reaktoren im Ausland ausdrücklich offen. "Wir entscheiden das je nach Markt", sagte Konzernsprecher Carsten Thomsen-Bendixen.

Doch auch beim Bau neuer Gas- und Kohlekraftwerke tritt Terium auf die Bremse. Auch konventionelle Kraftwerksprojekte werde RWE "in absehbarer Zeit" nicht in Angriff nehmen, sagte der Manager. Die regulatorischen Rahmenbedingungen dafür seien in Europa zurzeit nicht gegeben. Der Hintergrund: Wegen des Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien und gesunkener Großhandelspreise wird der Betrieb konventioneller Kraftwerke für die Energiekonzerne zunehmend unattraktiv.

Auch das das Gaspipeline-Projekt Nabucco hat RWE inzwischen auf den Prüfstand gestellt. Die Hintergründe sind Verzögerungen und die Kostenexplosion bei Nabucco. Die ursprünglich geplante Kalkulation von rund 8 Milliarden Euro haben sich inzwischen auf 15 Milliarden Euro fast verdoppelt. Nun ist eine Verkleinerung des Vorhabens im Gespräch.

Statt in Atomkraftwill Terium verstärkt in erneuerbare Energien investieren. Dabei kommt auch die bislang von RWE eher kritisch beurteilte Solarenergie zu neuen Ehren. Der Preisverfall bei Solarmodulen sei um ein Vielfaches höher ausgefallen als erwartet, sagte Terium. Vor allem in Südeuropa und Nordafrika würden Investitionen in Sonnenenergie damit attraktiv.

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